Angebotsplanung

Märchen, Musik und Erdbeerbowle gegen Einsamkeit

Im Haus Stephanus Alsfeld verbindet eine Märchenstunde Zuhören, Schmecken und Erinnern – als Teil eines geförderten Projekts gegen Einsamkeit im Alter, das auch Bewohnerzimmer erreicht.

Märchen, Musik und sommerliche Erfrischung: Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Stephanus erlebten eine besondere Stunde, die Zuhören, Erinnern, Schmecken und Gemeinschaft miteinander verband. Fotos: Minh Luis/Gfde; Collage: KI-generiert/Google Nano Banana 2

Erdbeerbowle, selbst hergestellte Eisgefäße mit Kräutern, frische Wassermelone und Akkordeonmusik: Die Alte und Pflegeeinrichtung Haus Stephanus in Alsfeld hat eine Märchenstunde unter dem Titel „Märchen erleben mit allen Sinnen“ veranstaltet. Das Angebot ist Teil des Hausprojekts „Generationen Gesundheitsnetzwerk: Bewältigungsstrategie gegen Einsamkeit im Alter“, gefördert durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege.

Chinesisches Märchen und sommerliche Atmosphäre

Märchenerzählerin Silvia Völker vom Alsfelder Märchenhaus gestaltete die Stunde. Da viele Bewohner:innen das Märchenhaus nicht mehr selbst aufsuchen können, bringt Völker die Geschichten zu ihnen. Sie erzählte das chinesische Märchen von der „blauen Rose“, in dem ein Kaiser und seine Tochter der Frage nachgehen, was die Augen sehen und was das Herz erkennt. „Manchmal erkennt das Herz mehr als die Augen“, sagte Völker. Eine zweite Geschichte über Erdbeeren und Spargel schloss thematisch an und handelte von Liebe, Verschiedenheit und dem Reiz der Jahreszeiten. Musikalisch begleitete Mathias Langer die Runde am Akkordeon.

Alle Sinne ansprechen – auch ohne Worte

Projektkoordinatorin Minh Luis betont den bewusst breiten Ansatz des Angebots: „Märchen sind nicht nur für Menschen mit Demenz wertvoll. Sie sprechen viele Ebenen an: Erinnerung, Gefühl, Fantasie, Humor und Gemeinschaft.“ Ein Fühlsäckchen mit einer Erdbeerform lud zur aktiven Beteiligung ein. Bewohner:innen, die schlecht hören oder sich verbal kaum äußern können, erreicht das Format über andere Kanäle: „Wer nicht mehr gut hören kann, erlebt vielleicht die Farbe der Erdbeeren, den Geschmack der Bowle, das Tasten im Fühlsäckchen oder die Musik. Genau dort entsteht Teilhabe.“

Das Märchen-Mobil kommt ins Zimmer

Nach der Gruppenstunde zog das Betreuungsteam mit einem „Märchen-Mobil“ weiter in Wohngruppen und Bewohnerzimmer. Dort standen Fühlsäckchen, Anschauungsmaterial und Erfrischungen für jene bereit, die nicht an der Gruppenrunde teilnehmen konnten. Biografische Erinnerungen kamen in der Runde auf – an heiße Sommertage, an Arbeit in Pflege, Krankenhaus oder Näherei. Die internationale Märchenreihe soll mit neuen Geschichten und sinnlichen Zugängen fortgesetzt werden.

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