Angebotsplanung
Ehrenamtliche singen persönliche Abendlieder
Ein Lied zur guten Nacht – am Bett gesungen – das tut nicht nur Kindern gut, sondern auch Menschen im Pflegeheim. Eine Idee lädt zum Nachahmen ein.
Ehrenamtliche singen persönliche Abendlieder: Jede Woche kommen Ehrenamtliche in die Einrichtung der Bruderhaus-Diakonie in Reutlingen. Sie besuchen jeweils zu zweit die Bewohner und Bewohnerinnen und singen mit ihnen. „Das Besondere am Abendsingen ist, dass wir nicht als Chor kommen und vorsingen, sondern dass wir in die Zimmer gehen und den Bewohnerinnen und Bewohnern ganz persönlich zwei bis drei Abendlieder singen“, erklärt Sozialpädagogin Gabriele Blum-Eisenhardt.Gesungen werden alte, bekannte Lieder. Besonders gefragt seien „Kein schöner Land“ und „Der Mond ist aufgegangen“, erzählt Blum-Eisenhardt. Bei diesem Lied wünschten sich die Bewohner vor allem die letzte Strophe, in der es heißt „und lass uns ruhig schlafen und unseren kranken Nachbarn auch.“
Das Singen rührt etwas bei den Senioren und Seniorinnen an – so nimmt es die Abendsängerin Hildegard Walker wahr. „Wenn wir singen, leuchten die Gesichter manchmal auf, und Menschen, die ganz stumm im Bett liegen, bewegen dann plötzlich die Lippen und sprechen oder singen mit – so wie es eben geht.“
Gabriele Blum-Eisenhardt erzählt von einem Mann, der früher Chorleiter war: „Er hat erst überhaupt nicht reagiert und dann mit der Zeit begonnen, mit den Zeigefingern unser Singen zu dirigieren.“ Die christlichen Texte der Lieder könnten vielen Menschen offensichtlich Trost geben, ist ihre Erfahrung: „Das sind ja Lieder, die die Leute mit Trost und Hoffnung verbinden, die früher wohl sehr wichtig für sie waren.“ Beeindruckend sei auch, dass Seniorinnen und Senioren noch immer alle Verse eines Liedes auswendig könnten.
Musik erreicht Menschen im Innersten
Kerstin Schatz beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Musik und Älterwerden, sie ist stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Musikgeragogik und Kirchenmusikdirektorin im bayerischen Amberg. Schatz sagt: Musik sei ein Medium, das Menschen unmittelbar und im Innersten erreiche. „Musik wirkt wie eine Brücke, auch dann, wenn eine ’normale‘ Kommunikation nicht mehr möglich erscheint, wie beispielsweise bei Menschen mit Demenz.“ Studien belegten auch, dass Singen gesundheitsfördernd sei und Schmerzen lindern könne.
Chorleiterin gibt Kurse für Abendsänger:innen
Musikerin und Chorleiterin Heidrun Speck aus Deizisau nahe Stuttgart bietet seit 2009 Kurse für Ehrenamtliche und Mitarbeitende in Heimen zum Singen vor dem Schlafengehen an. Das Singen am Bett solle Erinnerungen und Erlebnisse wecken, erklärt sie: „So, wie viele der Senioren es erlebt haben, dass ihnen ihre Mutter als Kind vor dem Schlafengehen ein Lied gesungen hat, und so, wie sie vielleicht auch selbst ihre Kinder mit einem Lied ins Bett gebracht haben, soll den Menschen im Pflegebett auch ein Gefühl des Vertrauens und Behütetseins vermittelt werden.“
Respekt vor den Wünschen der Bewohner:innen ist unabdinglich
In ihren Fortbildungen mache sie klar, dass die ehrenamtlichen Sängerinnen und Sänger niemanden mit ihren Abendliedern „überfallen“ dürften. Wichtig sei, es zu respektieren, wenn jemand kein Lied hören wolle. Respekt müsse man auch angesichts der „Intimsphäre Bett“ haben: „Nur weil jemand alt ist, darf man ihn nicht einfach anfassen oder sich auf sein Bett setzen.“ (epd)
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