Fortbildung
Sexualität im Alter: diskrete Absprachen sind Mittel der Wahl
Bereits zum zweiten Mal hatte das Pflege- und Betreuungsteam des Vitalis Wohnpark Ansbach Gelegenheit, sich einen Tag lang zu „Sexualität im Alter“ fortzubilden. Referent Peter Schreiber ist Dozent für Pflegeberufe und selbst examinierte Krankenpfleger sowie Praxisanleiter. Für seine Kolleg:innen brachte er viele Fallbeispiele und Denkanstöße mit.
Sexualität im Alter: diskrete Absprachen sind Mittel der Wahl: „Wir wollten uns dem Thema schon länger fachlich nähern. Denn Sexualität verändert sich im Alter, sie hört aber nicht auf“, sagt Manuela Leidig, Einrichtungsleiterin des Vitalis Wohnparks Ansbach. Mit mehr Wissen darüber könnten sie und ihr Team auch noch mehr Verständnis für die Bewohnerinnen und Bewohner aufbringen. „Wir wollen möglichst früh erkennen, wenn ihnen diese Nähe fehlt.“ Auch die Betreuten seien schließlich Menschen mit sexuellen Bedürfnissen. Schon aus dem ersten Seminar im Januar hätten alle Teilnehmenden nützliche Tipps für den Arbeitsalltag mitnehmen können. „Daher wollte ich das denen, die damals wegen des laufenden Betriebs nicht dabei sein konnten, unbedingt auch ermöglichen“, so die Leiterin des Vitalis Wohnparks Ansbach.
Dass Einrichtungen wie der Vitalis Wohnpark das Thema angehen, befürwortet Referent Peter Schreiber sehr: „Bei dem Tabuthema ist es essentiell, Mitarbeitende fortzubilden, um sie zu sensibilisieren. Wir wollen eine adäquate sexuelle Bildung für Pflegepersonal und alle am Versorgungsprozess beteiligten Personen vermitteln. So können wir Sexualität im Alter enttabuisieren und offen über Grundbedürfnisse sprechen.“ Seine Erfahrung sei, dass viele Beteiligten eine positive Grundhaltung zum Thema entwickeln konnten und so dazu beitrugen, Menschen mit Pflegebedarf bei ihrer selbstbestimmten Sexualität zu unterstützen. Das ebne den Weg für eine sexualfreundliche Umgebung.
Diskrete Absprache statt „Bitte nicht stören“-Schild
Tipps hatte der Referent mehrere: Bestehenden Beziehungen und Paaren, die sich im Pflegeheim finden, sollten die Mitarbeitenden z. B. Privatsphäre ermöglichen. Und das möglichst diskret. Ein ‚Bitte nicht stören‘-Schild an der Tür sei hier meist nicht die Lösung, das bringe das Paar in Verlegenheit.
Äußerten alleinstehende Bewohnerinnen oder Bewohner Wünsche nach körperlicher Nähe, könnten auch Sexualbegleiterinnen oder -begleiter organisiert werden. Hierzu gab Peter Schreiber Erfahrungen einer Sexualassistentin weiter, mit der er ein Interview geführt hatte. Manchmal seien aber auch vermeintlich kleinere Dinge hilfreich: Beispielsweise erotische Literatur oder Zeitschriften für die Bewohnerinnen und Bewohner zu besorgen, wenn sie selbst nicht mehr einkaufen gehen können.
„Wir sind eine queer-sensible Einrichtung.“
Auch über Homosexualität im Alter sprach Peter Schreiber. Er sensibilisierte dafür, dass ältere queere Menschen früher verstärkt Ablehnung, Gewalt oder auch Strafverfolgung erlebt hätten. Daher sollten Senioreneinrichtungen ihnen umso mehr ein diskriminierungsfreies Umfeld schaffen. „Wir sind offen und eine queer-sensible Einrichtung. Alle können bei uns sie selbst sein. Mit den Denkanstößen aus dem Seminar können wir das jetzt noch mehr leben“, sagt Manuela Leidig.
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