Fortbildung

Wenn Betreuungskräfte Mahlzeiten zum Erlebnis machen

Mahlzeiten bieten vielfältige Möglichkeiten, Nachhaltigkeit und Lebensqualität in Pflegeeinrichtungen zu verbinden. Betreuungskräfte tragen entscheidend dazu bei, Essen und Trinken zu einem zentralen Bestandteil der Alltagsgestaltung zu machen und zwischen allen Beteiligten zu vermitteln.

glückliche Seniorin beim Essen
Essen und Trinken sind entscheidender Faktor in Sachen Lebensqualität – gerade auch in Pflegeeinrichtungen. Foto: Fotolia/Ingo Bartussek

Mehr als nur Ernährung: Mahlzeiten als Lebensmittelpunkt

Ob Frühstück im Wohnbereich, gemeinsames Mittagessen oder die kleine Zwischenmahlzeit am Abend – Mahlzeiten strukturieren den Tag in Pflegeeinrichtungen und sind wichtigste Fixpunkte. Hier entscheidet sich, ob sich Bewohner:innen wohlfühlen, Gemeinschaft erleben und einbezogen werden. In Workshops des Vereins „Wir Sind Altenpflege“ wurde deutlich, dass in Essen und Trinken auch viel Potenzial für Nachhaltigkeit steckt: vom Vermeiden von Abfällen über den sorgsamen Umgang mit Energie bis zur Reduzierung von Verpackungen.

Armando Sommer, Vorstand des Vereins, berichtet in der Zeitschrift Aktivieren über die Ergebnisse. Dabei wurde deutlich: Betreuungskräfte nehmen eine wichtige Vermittlerrolle ein, indem sie Bewohnerwünsche aufnehmen, zwischen Pflege und Hauswirtschaft kommunizieren und dazu beitragen, dass Mahlzeiten zu einem Erlebnis werden.

Abwechslung und Verständlichkeit im Speiseplan

In den Workshops zeigte sich schnell: Die Küche darf nicht zur Routine werden. Menschen wünschen sich bekannte, vertraute Gerichte – und sie möchten diese auch in einer Sprache wiederfinden, die sie verstehen. Das Feedback der Teilnehmenden war eindeutig: Moderne Begriffe wie „Couscous“ oder „Falafel“ verwirren ältere Menschen. Verständliche Namen wie „Kichererbsenbällchen“ statt „Falafel“ oder „gezupftes Schweinefleisch“ statt „Pulled Pork“ schaffen hingegen Akzeptanz.

Gleichzeitig öffnen sich die Küchen bewusst neuen Impulsen. Mehrmals wöchentlich vegetarische Gerichte und ein fest verankerter veganer Tag sind konkrete Schritte, die den Speiseplan abwechslungsreicher machen und Nachhaltigkeit fördern. Auch passierte Kost wird nicht länger als reine Notwendigkeit gesehen, sondern kreativ weitergedacht: appetitlich geformt, abwechslungsreich angerichtet und bei Verkostungen gemeinsam probiert.

Erlebnischarakter und Nachhaltigkeit verbinden

Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme – es ist Erlebnis, Begegnung und Gesprächsanlass. Die Workshop-Teilnehmenden entwickelten zahlreiche kreative Ideen: vom „Saftwagen“ mit frisch gepressten Säften und Kräuter-Schorlen über ein gemeinsames Kochbuch bis zu besonderen Frühstücksformaten oder festlichen Abendveranstaltungen. Auch Eigenproduktion spielte eine große Rolle – etwa beim Herstellen von Salaten, Backen von Kuchen oder Anlegen eines Kräutergartens.

Gleichzeitig wurden konkrete Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit erarbeitet. Die Teilnehmenden schätzten das Einsparpotenzial bei Speiseabfällen auf rund 15 Prozent. Genannt wurden Maßnahmen wie Brot einfrieren, übrig gebliebene Speisen rechtzeitig sichern und Aufschnittplatten nur nach Rückmeldung der Wohnbereiche neu vorbereiten. Für weniger Verpackungsmüll sollten Einzelportionen reduziert und stattdessen größere Gebinde genutzt werden, aus denen individuell portioniert wird.

Praxisbeispiele aus den Einrichtungen

Im Seniorendomizil Riepenblick wurde deutlich, wie stark Essen und Trinken die Lebensqualität prägen. Als konkrete Ziele wurden drei vegetarische Tage pro Woche und ein fester veganer Tag festgelegt, zudem verständlichere Benennungen der Gerichte, Anpassungen bei Konsistenz und Zubereitung sowie die Reduktion von Einzelverpackungen.

Die Evangelische Heimstiftung Goldscheuer verband das Thema Essen und Trinken eng mit der Frage nach Image und Außenwirkung. Unter dem Projekttitel „Hand in Hand zur Nachhaltigkeit“ entstand die Idee eines Infostandes zum zehnjährigen Jubiläum auf dem Markt in Kehl, um Regionalität, Teamarbeit und nachhaltiges Handeln sichtbar zu machen.

In der Evangelischen Heimstiftung Schlösslesbrunnen stand der Workshop unter dem Projekttitel „Gutes Essen – gutes bruddln“. Ein besonderes Augenmerk lag auf passierter Kost, die gemeinsam verkostet und neu bewertet wurde. Das Feedback war begeistert: „Ich war überwältigt von der passierten Kost“ und „Ich freue mich aufs Altwerden, wenn ich solches Essen bekomme.“

Die Evangelische Altenheimat Rosengarten stellte ihren Workshop unter das Motto „Zukunft mit Herzle schaffe“. Auch Prozesse wurden überdacht: Geschirr nicht während der Mahlzeiten in den Spüler räumen, Spülzeiten anpassen und Wärmewägen gezielter einsetzen. Besonders prägnant war das Fazit: „Ja, wir können für unser Haus was verändern – nicht für die ganze Welt, aber für uns.“

Die Workshops verdeutlichten, dass Betreuungskräfte eine Schlüsselrolle einnehmen: Sie greifen Bewohnerwünsche auf, beobachten Essgewohnheiten und tragen dazu bei, dass Mahlzeiten nicht nur satt machen, sondern zu einem festen Höhepunkt des Tages werden.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für hauswirtschaftliche Angebote in der Betreuung finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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