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Wie hospizliche Kultur Mitarbeitende bindet

Eine gelebte hospizliche Kultur in Pflegeeinrichtungen ist ein Gewinn – nicht nur für die Bewohner:innen. Warum das so ist, hat Andrea Tokarski, Leiterin des Bereichs „Qualität und Pflege“ der Marienhaus GmbH ausführlich erläutert. Ihre Masterclass am 23. April war Teil des hochkarätigen Messekongresses auf der Leitmesse ALTENPFLEGE in Essen.

Andrea Tokarski
Andrea Tokarski berichtet beim Messekongress der Leitmesse ALTENPFLEGE 2024 zu den Erfahrungen der Implementierung und Weiterentwicklung des Konzepts „Hospizliche Kultur und palliative Kompetenz“ in den Senioreneinrichtungen der Marienhaus-Gruppe, Waldbreitbach. Foto: Thordis Gooßes

Das Konzept „Hospizliche Kultur und palliative Kompetenz“ haben die Senioreneinrichtungen der Marienhaus-Gruppe im rheinland-pfälzischen Waldbreitbach implementiert und weiterentwickelt. Eine hospizliche Haltung und würdevolle palliative Begleitung mit dem Fokus auf die Lebensqualität und gelungene Momente für schwerkranke Bewohner:innen tragen laut Andrea Tokarski zufolge dazu bei, dass Pflegende Sinn in ihrer Arbeit finden. Die Leiterin des Bereichs „Qualität und Pflege“ der Marienhaus-Gruppe hat außerdem festgestellt, dass Pflegende ihre Prioritäten besser setzen und ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterentwickeln können, wenn eine solche Palliativkultur gelebt wird.

In der Begleitung Sterbender gibt es eine Kluft zwischen dem eigenen Anspruch und der Versorgungswirklichkeit. „Fachkräfte werden voll und ganz für die Pflege gebraucht. Es gibt keine Zeit, sich um Menschen zu kümmern, die in der palliativen Versorgung sind“, hat Andrea Tokarski festgestellt. Das hat die Marienhaus-Gruppe dazu bewogen, die hospizliche Arbeit konzeptionell zu stärken.

Haltung und Kultur sind die Basis

Die Basis des Konzepts der hospizlichen Arbeit der Marienhaus-Gruppe ist somit eine Haltung und eine Kultur. Dies umfasst die unverlierbare Würde des Menschen sowie das Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge beziehungsweise Achtsamkeit. Nicht die Pflegenden allein sind dafür zuständig, dass alles für den sterbenden Menschen getan wird. Das bedeutet, vernetzt zu denken und zu arbeiten, um nicht in die Überforderung zu gelangen.

Das Konzept besteht aus fünf Bausteinen

  1. Spirituelle Begleitung und Seelsorge: eine Haltung der Wertschätzung, der Liebe und des Respekts. Hier sind Führungskräfte aufgefordert, einen geschützten Raum für Mitarbeitende zu schaffen, in denen sie Erfahrungen mitteilen und Unterstützung erhalten können.
  2. Beratung und Qualifikation der Mitarbeitenden: dazu gehören feste Ansprechpartner:innen und unterschiedliche Bildungsformate.
  3. Ethik und ethische Fragestellungen: mit ethischen Fallbesprechungen und einem fundierten Verhaltenskodex. Das bedeutet zum Beispiel, wie durch hospizliche Kultur die Lebensqualität erhalten kann.
  4. Vernetzung intern: hospizliche Fragen sollten in der Kommunikationsstruktur ganz oben stehen. Es gibt beispielsweise eine eigene Konferenz für hospizliche Kultur.
    Vernetzung extern: gelebte Kooperationen auf Augenhöge, zum Beispiel mit der Kirchengemeinde, SAPV-Teams, Trauerbegleitenden, Schmerztherapeut:innen, Krankenhaus, Hausärzt:innen
  5. Struktur: es gibt einen definierten Prozess zur palliativen Begleitung und Instrumente für die Umsetzung. Dazu gehören zum Beispiel eine palliative Übergabe mit Fallbesprechung sowie ein Notfallbogen, zu dem, was sich eine Bewohner:in in der Sterbephase wünscht. Auch Rituale geben Struktur: solche, die sich an die Bewohner:innen richten, aber auch Rituale für die Mitarbeitenden.

Lebensqualität ist keine Worthülse

„Es braucht Fachkompetenz, um die richtigen Fragen zu stellen“, weiß Tokarski. Hier rentiert es sich ihrer Erfahrung nach immer, auch ambulante Hospizexpert:innen hinzuzuziehen. „Uns ist auch klar geworden, dass wir verbindliche Standards für die operative Umsetzung festlegen müssen und Verantwortlichkeiten noch besser zu klären.“ Wichtig sei letztlich, dass Lebensqualität keine Worthülse bleibe. „Gelingt hingegen eine würdevolle palliative Begleitung, erfüllt das den Pflegeberuf mit Sinn.“

Claudia Stein vom Verband katholische Altenhilfe in Deutschland (VKAD), einer der Programmpartner des begleitenden Kongresses, hat die Masterclass moderiert.

Der Messekongress zur Leitmesse ALTENPFLEGE läuft noch bis Donnerstag, 25. April.