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Volkslieder als Brücke: Generationen singen im Haus Stephanus
Die Altenburger Vocalisten verwandelten den „Marktplatz“ des Hauses Stephanus in Alsfeld in einen Klangraum. Beim Neujahrskonzert stand nicht das Zuhören, sondern das gemeinsame Singen im Mittelpunkt.
Musik schafft Verbindungen über Generationen
Der „Marktplatz“ des Hauses Stephanus in Alsfeld wurde am vergangenen Samstag (17. Januar) zum lebendigen Klangraum. Die Altenburger Vocalisten luden beim Neujahrskonzert nicht nur zum Zuhören, sondern zum aktiven Mitsingen ein. „Wir wollen nicht nur für Sie singen, sondern mit Ihnen“, betonte Chorleiterin Sabine Spahn zu Beginn. Minh Luis, Leiterin des Betreuungsdienstes, hieß das Ensemble und die Besucher:innen willkommen und erinnerte an den im Vorjahr verschobenen Auftritt: „Wir haben lange darauf gewartet, weil diese Konzerte stets eine besondere Wirkung entfalten.“
Volkslieder wecken Erinnerungen
Das Programm setzte bewusst auf Vertrautes. Mit Volksliedern wie „Da unten im Tale“ oder „Erlaube mir, feins Mädchen“ öffnete der Chor einen Raum für gemeinsame Erinnerungen. Auch Werke von Johannes Brahms und die „Loreley“ in der Vertonung von Friedrich Silcher gehörten zum Repertoire. „Die alten Lieder hört man ja kaum noch“, bemerkte eine Bewohnerin nach dem Konzert. „Heute konnte man wieder mitsingen.“ Besonders lebendig wurde der Nachmittag, als alle gemeinsam „Hessenland, du bist mein Heimatland“ und „Jetzt kommen die lustigen Tage“ anstimmten – manche Stimmen tastend, andere kräftig, alle getragen von einem Gefühl der Zugehörigkeit.
Musik als Schlüssel gegen Einsamkeit
Beeindruckend war zu beobachten, wie die Musik auch Menschen mit fortgeschrittener Demenz erreichte. „Musik ist kein Beiwerk, sondern ein Schlüssel“, betonte Minh Luis. „Sie schafft Begegnung auf Augenhöhe, auch dort, wo Sprache nicht mehr trägt.“ Die Altenburger Vocalisten, die seit ihrer Gründung 1999 regelmäßig im evangelischen Gemeindehaus proben, erlebten ihrerseits die unmittelbare Resonanz als bereichernd. Nach dem gemeinsamen Abschlusslied „Alle Vögel sind da“ und anhaltendem Applaus folgte ein geselliger Ausklang bei Kaffee. Minh Luis nutzte die Gelegenheit, um als Koordinatorin des Projekts „Generationen Gesundheitsnetzwerk: Gemeinschaftliche Bewältigungsstrategie gegen Einsamkeit im Alter“ für eine vertiefte Zusammenarbeit zu werben. „Das heutige Konzert ist kein Einzelereignis, sondern ein Anfang“, sagte sie. Geplant sind weitere interaktive Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten. Was mit Liedern begann, könnte zu einem tragfähigen Netzwerk werden – getragen von Musik, Engagement und der Erfahrung, dass gemeinsames Singen mehr ist als Klang: Es ist Verbindung.
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