Fortbildung

Sinnerfüllt altern: verborgenen Wünschen auf der Spur

Beim Projekt See-Me ermöglichen Mitarbeitende in den Seniorenheimen der Grafschafter Diakonie in Moers den Bewohner:innen mehr Teilhabe und besondere Momente. Die Kompetenzen des Teams stehen dabei im Fokus.

Menschen unter der Lupe
Im Projekt See-Me lernen die Teilnehmenden, die Potenziale, Talente und Träume der Bewohner:innen zu sehen. Foto: Fotolia/kbuntu

Sinnerfüllt altern: verborgenen Wünschen auf der Spur: Auf die nach den verborgenen Wünschen der Bewohner:innen und den Möglichkeiten für ihre Umsetzung machten sich zwölf Mitarbeitende des „Haus für Jung und Alt“ der Grafschafter Diakonie in Moers. „See-Me – Soziale Inklusion durch sinnerfülltes Altern“ startete im Dezember 2020 als Erasmus-Projekt. Europäische Partner aus Belgien, den Niederlanden, Spanien, Italien und Deutschland entwickelten eine Fortbildungsreihe, um Pflegende zu schulen und so die Qualität der Pflege und sozialen Teilhabe zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Potenziale, die Talente und Träume der Pflegebedürftigen, das heißt nicht nur ihre Beeinträchtigungen und Einschränkungen, sondern den individuellen, bedeutsamen und sozialen Menschen zu SEHEN. Dabei soll ein offener Blick mit Raum für die eigene Interpretation entstehen. Teilnehmende lernen, sich neu zu organisieren, den Fokus zu verändern. Mitarbeitende aus der Verwaltung und der Essensausgabe waren dabei. Genauso wie Fachkräfte aus Pflege und Sozialem Dienst sowie die Einrichtungsleitung.

Lernen, den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen

Die Teilnehmenden arbeiten im Team zusammen, um die See-Me-Vision in der Organisation umzusetzen. Dafür wurde ein Modulhandbuch entwickelt, bestehend aus fünf Abschnitten, die unterschiedliche Lernziele verfolgen. Es gibt Pflicht- und Wahlübungen. Die Wahlübungen können an den Teilnehmerkreis angepasst werden. Am Ende der Fortbildungsreihe haben die Teilnehmenden gelernt, den Menschen mit all seinen Bedürfnissen und Wünschen zu sehen. Sie wissen, wie sie den Fokus verändern, um über den Tellerrand hinauszusehen. So nimmt das multiprofessionelle Teams (Pflege, Sozialer Dienst, Hauswirtschaft, Verwaltung) die Bewohner:innen mit allen Kompetenzen in den Blick.

Bereits Kleinigkeiten erhöhen die Lebensqualität

Durch das See-Me-Training lernen Mitarbeitende, auch im Alltag hinzuhören und Gesagtes zu interpretieren. Somit lassen sich viele Kleinigkeiten verändern, um die Lebensqualität der Bewohner:innen zu erhöhen. Beispiele dafür gibt es Viele: Das Team des „Haus für Jung und Alt“ hat zum Beispiel Badetage eingeführt, Shopping-Ausflüge angeboten sowie eine gemeinsame Mahlzeitenplanung und -zubereitung organisiert. Zudem haben sie eine monatliche Praxisbesprechung mit allen Arbeitsbereichen geschaffen, bei der alle zusammen darüber nachdenken, wie sie den Senior:innen und ihren Wünschen noch näherkommen können. Das Team aktualisiert so die Biografien der Bewohner:innen und optimiert die Maßnahmenplanung.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für die Beschäftigung finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

Lust auf mehr fachlichen Input?

Dann können wir Euch zwei Seminare der Vincentz-Akademie mit Schwerpunkt Soziale Betreuung besonders ans Herz legen.

Seminar 3: Fachlich kompetent und anforderungsgerecht in der Aktivierungspraxis – mit Bettina Greb Kohlstedt

Hier geht es um das Qualitätsmanagement sozialer Betreuungsangebote: Welche Anforderungen an eine „gute Pflege“ kann die soziale Betreuung übernehmen? Wie werden Aktivierungsangebote gestaltet und wo sind sie in der Dokumentation zu finden? Dieses Seminar erläutert mit starkem Praxisbezug und beispielhaft, wie Aktivierungsangebote risikogruppengerecht, biografisch und fachgerecht umgesetzt werden können.
https://www.vincentz-akademie.de/kursuebersicht/seminar-3/
13.03.24 in Essen
08.05.24 in Leipzig
16.04.24 via Zoom

Seminar 4: Konflikte mit Menschen mit Demenz kreativ deeskalieren – mit Dr. Phil. Svenja Sachweh

Euch erwartet Input aus der Praxis für die Praxis: Konflikte mit Demenz-Betroffenen sind zwar oft der Krankheit, aber auch unserem Verhalten geschuldet. Einige davon kann man demenzgerecht deeskalieren und andere sogar ganz vermeiden – nämlich wenn man weiß, wie Menschen mit Demenz kommunikativ gesehen „ticken“. In diesem Kurs reflektieren die Teilnehmenden ihr verbales und nonverbales Verhalten: Was ist gut gemeint, was gut gemacht? Weil diese uns oft besser helfen als Lehrbücher, dienen uns dabei erprobte, spielerische Lösungswege aus der Praxis als Vorbilder.
https://www.vincentz-akademie.de/kursuebersicht/seminar-4/
12.03.24 in Essen