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Seelsorge von und für Kollegen
Die CAP Wiesbaden hat ein internes Seelsorgeangebot von Mitarbeitenden für Mitarbeitende etabliert. Das Projekt, unterstützt vom Bistum Limburg, soll helfen, Belastungssituationen besser zu bewältigen – beruflich wie privat. Erste Erfahrungen zeigen: Das Modell trifft einen Nerv.
Seelsorge als Antwort auf psychische Belastungen im Pflegealltag
Pflegekräfte erleben täglich herausfordernde Situationen – häufig im Spannungsfeld zwischen Nähe und Belastung. Gerade in der stationären Altenhilfe sind Tod, schwere Erkrankungen und zwischenmenschlich belastende Entwicklungen feste Bestandteile des Arbeitsalltags. Die Caritas Altenwohn- und Pflegegesellschaft (CAP) Wiesbaden hat darauf reagiert und ein neues Angebot geschaffen: eine Mitarbeitendenseelsorge, die Beschäftigte in schwierigen Momenten auffängt – unabhängig davon, ob die Ursache beruflicher oder privater Natur ist.
Ursprung der Idee: Seelsorge für Mitarbeitende
Das Projekt wurde Anfang 2025 offiziell in den Einrichtungen eingeführt. Die Idee dazu stammt ursprünglich vom Bistum Limburg. Dort stellte man sich die Frage, wie Seelsorge – im kirchlichen Kontext ein traditionelles Angebot – auch für Mitarbeitende nutzbar gemacht werden kann. „Warum nicht auch den Menschen zuhören, die tagtäglich mit existenziellen Belastungen konfrontiert sind?“, beschreibt Nadine Morlock, Pflegedirektorin bei der CAP Wiesbaden, den Ursprungsgedanken.
Ausbildung zur Seelsorge – praxisnah und fundiert
Zwei Mitarbeitende – eine Pflegefachkraft und eine Fachkraft aus der sozialen Betreuung – ließen sich daraufhin eigeninitiativ zu Seelsorgenden ausbilden. Die Fortbildung, organisiert und finanziert vom Bistum, dauert ein halbes Jahr und umfasst mehrere Blockseminare. Schulungsinhalte sind unter anderem:
- Gesprächsführung
- Der Umgang mit belastenden Erlebnissen
- Selbstschutz und Supervision
Besonders wichtig: Die Teilnehmenden lernen, wie sie auch in extremen Situationen reagieren – etwa wenn ihnen etwas sehr Persönliches oder Schockierendes anvertraut wird.
Freistellung und Rahmenbedingungen für die Seelsorgearbeit
Für ihre Tätigkeit als Seelsorgende sind die beiden Mitarbeitenden jeweils mit sieben Stunden pro Woche freigestellt – hälftig von der CAP und hälftig vom Bistum finanziert. Sie haben:
- Ein eigenes Büro
- Ein Diensthandy
- Ein geschütztes Laufwerk zur Wahrung der Anonymität
Die Schweigepflicht ist zentraler Bestandteil des Konzepts. „Die Mitarbeitenden dürfen ihnen alles erzählen – egal ob es um den Arbeitsplatz oder das private Umfeld geht“, betont Morlock. Auch rechtlich sind die Seelsorgerinnen abgesichert, vergleichbar mit der Vertraulichkeit eines Beichtgesprächs.
Vertrauensaufbau als Schlüssel zum Erfolg
Das Angebot wurde zu Projektbeginn in den Teams vorgestellt. Die beiden Seelsorgerinnen besuchen regelmäßig die Einrichtungen, stellen sich vor und bauen Vertrauen auf. „Wenn Mitarbeitende nicht wissen, wer da auf sie wartet, ist die Hemmschwelle zu groß“, sagt Morlock. Die persönliche Bekanntheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor – ebenso wie die Flexibilität des Angebots:
- Gespräche können im Büro, im Park oder im Café stattfinden
- Wichtig ist allein, dass sich die Mitarbeitenden öffnen können
Erste Erfolge und positive Resonanz
Die Nachfrage ist bereits spürbar. In einem Haus mit strukturellen Herausforderungen nutzen Mitarbeitende das Angebot intensiv. Dort begleiten die Seelsorgenden sogar proaktiv das Teamgeschehen, moderieren Gespräche und helfen, Spannungen aufzulösen. Auch in den anderen Einrichtungen gibt es erste Anfragen – teils auch aus Häusern, in denen die beiden Kolleginnen nicht regulär tätig sind. „Besonders hilfreich ist, dass die eine Kollegin aus der Pflege kommt, die andere aus der sozialen Betreuung – sie ergänzen sich hervorragend, auch in ihren Verfügbarkeiten“, erklärt Morlock.
Perspektive: Ausbau des Angebots auf breiter Basis
Langfristig möchte die CAP Wiesbaden das Modell ausbauen. Ziel ist es, fünf bis sechs ausgebildete Seelsorgende zu haben, um eine flächendeckende Verfügbarkeit über die Woche sicherzustellen. Bewerben können sich alle Berufsgruppen – vorausgesetzt, sie bringen die nötige Empathie mit. „Ich mache keinen Unterschied zwischen Pflege, Hauswirtschaft oder Verwaltung. Wichtig ist, dass die Person Vertrauen schafft und gut zuhören kann“, sagt Morlock.
Für den Auswahlprozess ist geplant, dass die beiden aktuellen Seelsorgerinnen künftig eine Art Teamleitung übernehmen und gemeinsam mit der Pflegedirektion entscheiden, wer geeignet ist.
Ein Angebot für alle – unabhängig von Konfession
Die Fortbildung ist nicht konfessionell gebunden, trotz der kirchlichen Trägerschaft des Projekts. Wichtig ist allein die Bereitschaft, sich auf andere einzulassen. Die Rückmeldungen aus dem Team sind durchweg positiv. Mitarbeitende berichten, dass es entlastend sei, einen neutralen Ansprechpartner zu haben. „Manchmal reicht schon ein Gespräch, um wieder klarer denken zu können“, sagt Morlock.
Nachhaltige Verankerung der Mitarbeitendenseelsorge
Ihre Vision ist es, das Projekt langfristig auch unabhängig von der Bistumsfinanzierung fortzuführen – etwa über Pflegesatzverhandlungen oder eine breitere Verteilung der Stunden auf mehrere Schultern. „Wir sehen, dass das Angebot wirkt. Und wir wollen es nicht wieder aufgeben“, so Morlock. Mitarbeitendenseelsorge sei kein Luxus, sondern ein Baustein für gesunde Arbeitsbedingungen in einem fordernden Beruf.
(Olga Sopie Ennulat)
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