Angebotsplanung

Erinnerungsschätze aus der Küche: Der Topfuntersetzer erzählt

Biografische Kurzaktivierungen mit Alltagsgegenständen benötigen kaum Vorbereitung und entfalten dennoch große Wirkung. Aktivieren-Autorin Maria Metzger zeigt in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift, wie der unscheinbare Topfuntersetzer zum Schlüssel für lebendige Erinnerungen an Küchengeschichten und Familientraditionen wird.

gehäkelter Untersetzer
Topfuntersetzer können ein als Schlüssel zur Biografiearbeit: Vom Häkeluntersetzer bis zur Bügelperlenkunst der Enkel. Foto: kevma20/AdobeStock

Küchenhelfer als Erinnerungsbrücken

Die Küche war und ist bis heute ein Ort des Zusammenseins, an dem nicht nur Mahlzeiten zubereitet, sondern auch Geschichten erzählt und Erinnerungen geschaffen werden. Der Topfuntersetzer begleitet diese Momente still, aber beständig. Gerade solche unscheinbaren Alltagsgegenstände können in der Biografiearbeit wertvolle Türöffner sein, da sie lebhafte Erinnerungen wecken.

Viele Senior:innen erinnern sich noch gut an die handgefertigten Topfuntersetzer aus Bast, Holz oder Glasperlen, die in den 1950er- und 60er-Jahren in fast jeder Küche zu finden waren. Diese liebevoll geflochtenen oder aufwendig geknüpften Untersetzer aus bunten Holzperlen, oft in runden oder sechseckigen Mustern angeordnet, waren nicht nur praktische Helfer zum Schutz des Tisches, sondern auch dekorative Schmuckstücke des Alltags.

In dieser Zeit bildete die Küche häufig den Mittelpunkt des Familienlebens. Während die Mutter kochte, halfen die Kinder mit kleinen Handgriffen oder spielten in der Nähe. In vielen Haushalten wurde großer Wert auf Selbstgemachtes gelegt, und Handarbeiten gehörten zum täglichen Leben. Diese Erinnerungen an gemeinsame Familienmomente lassen sich durch das Zeigen und Berühren verschiedener Topfuntersetzer wieder lebendig werden.

Kreative Zweckentfremdung der 1970er-Jahre

Die 1970er-Jahre brachten eine kreative Wendung: Die bunten Abdeckungen der Elektro-Herdplatten fanden eine neue Bestimmung als hitzebeständige Untersetzer. Diese runden, meist farbenfrohen Metallscheiben waren ursprünglich dazu gedacht, die Herdplatten abzudecken und der Küche ein modernes Erscheinungsbild zu verleihen. Ihre praktische Zweitverwendung als Untersetzer machte sie schnell zum festen Bestandteil vieler Küchen.

Diese Ära war geprägt von Wandel – die Wohnküche wurde moderner, Farben kräftiger, Muster auffälliger. Blumenmuster und kräftige Orangetöne dominierten viele Küchen. Elektrische Geräte erleichterten den Alltag, während einige Traditionen wie das gemeinsame Familienessen bestehen blieben. Die Erinnerung an diese Zeit des Umbruchs kann bei Senior:innen lebhafte Gespräche über den Wandel von Wohnstilen und Familientraditionen anregen.

Der einfache Topfuntersetzer wird so zum Schlüssel für vielfältige Erinnerungen – an liebgewonnene Gewohnheiten, Kreativität, Familientraditionen und kleine Alltagsgeschichten. Als Aktivierungsmaterial in der Biografiearbeit kann er Türen öffnen zu lebendigen Gesprächen über Küchenkultur, Handarbeitstraditionen und die Veränderungen des Familienlebens im Laufe der Jahrzehnte.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für die Erinnerungsarbeit finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

Passend dazuVorratshaltung: Eine Reise durch die Jahrzehnte