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Neue Rubrik „Porträt“ in Aktivieren: Die kreative Mentorin

In jeder zweiten Ausgabe von Aktivieren porträtieren wir eine Persönlichkeit aus der Sozialen Betreuung. Den Auftakt machte im Mai Thi Minh Ngoc Luis, Betreuungsdienstleiterin und Fachergotherapeutin Demenz im Haus Stephanus im hessischen Alsfeld.

Minh Luis beim Fitnesstraining
Minh Luis startet mit morgendlichen Trainingseinheiten im Fitnessstudio in den Tag, bevor die Arbeitstag beginnt. „Das hält nicht nur fit, sondern macht auch den Kopf frei und schafft Raum für neue Projektideen“, ist sie überzeugt. Foto: Minh Luis/privat

Wenn Minh Luis den Raum betritt, wird es heller. Ihre Präsenz strahlt Wärme aus. Sie überträgt sich auf andere – wie ein Funke. Damit ist sie prädestiniert, andere Menschen zu schulen für das, wofür sie selbst brennt. Zum Beispiel in person-zentrierte Betreuung.

Mit einem Bachelor of Arts in Medizinalfachberufen hat die gebürtige Nord-Vietnamesin, die seit 23 Jahren in Deutschland lebt und gerade ein berufsbegleitendes Masterstudium „Angewandte Gesundheits- und Therapiewissenschaften“ absolviert, nicht nur fundiertes Fachwissen. Sie hat auch eine klare Vision. Ihre Bachelorarbeit zu „Multiprofessioneller Begleitung und Bewältigungsstrategien für Menschen mit Altersdepression“ basiert auf empirischen Untersuchungen. Die Arbeit spiegelt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse wider. Die Ergebnisse nutzt sie als Leitung der Betreuung im Haus Stephanus im hessischen Alsfeld aktiv. Und sie fließen in die Fortbildungsprogramme des Trägers, die sie gestaltet, ein – bei der Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (GFDE).

„Fortbildungen dürfen nicht nur bestehendes Wissen wiederholen. Sie müssen neue Wege aufzeigen und Mitarbeitende befähigen, auf die komplexen Bedürfnisse älterer Menschen einzugehen“, betont die 44-jährige Gesundheitsmanagerin. Ihren beruflichen Weg hat sie mit einer Ausbildung zur Ergotherapeutin begonnen. Ein Beruf nah am Menschen, den sie als Fundament für ihre Arbeit auf dem Gesundheitssektor sieht. Ihre Arbeit zeigt, wie eng Theorie und Praxis verknüpft sein können – und wie notwendig diese Verbindung ist.

Ein Kompass für die Praxis

Ihr Ansatz ist bodenständig und nah an der Realität der Betreuungskräfte. Statt in trockenen Theorieblöcken zu verharren, setzt sie auf Übungen und Fallbeispiele. Rollenspiele, Praxissimulationen und Biografiearbeit stehen im Mittelpunkt. „Wissen bleibt besser haften, wenn es durch die Hände geht“, erklärt die Mutter eines 22-jährigen Sohnes. Dieser hat sich ein Beispiel an ihr genommen und sich nach einem Einser-Abitur für ein duales Studium zum Wirtschaftsingenieur entschieden. Wie die Mutter setzt er den Fokus zunächst auf praktische Skills.

Besonders am Herzen liegt ihr der Umgang mit Menschen mit Demenz und Altersdepression. „Es geht darum, hinter die Fassade zu blicken und die Sprache der Gestik und Mimik zu verstehen.“ In ihren Seminaren vermittelt die mit einem deutschen Tageszeitungsjournalisten verheiratete Dozentin, wie nonverbale Kommunikation sowie ein einfühlsamer Umgang mit herausfordernden Situationen Türen öffnen können – besonders dann, wenn Worte nicht mehr ausreichen.

Projekte, die Spuren hinterlassen

„Es ist wichtig, den Umgang mit Demenz nicht nur zu verstehen, sondern ihn zu erleben. Genau das erreichen wir durch praxisnahe Fortbildungen, die Betreuungskräfte in herausfordernden Situationen stärken“, sagt die Motivatorin. Sie selbst startet mit morgendlichen Trainingseinheiten im Fitnessstudio in den Tag, bevor die Arbeitstag beginnt. „Das hält nicht nur fit, sondern macht auch den Kopf frei und schafft Raum für neue Projektideen“, ist sie überzeugt. Und die gehen ihr nicht aus:

Wie das zweijährige Präventionsprojekt „Aktiv im Alter“, ein Fortbildungsprogramm, das auf die Aktivierung älterer Menschen abzielt. „Bewegung, geistige Anregung und soziale Teilhabe sind essenziell, um Altersdepression entgegenzuwirken“, erklärt Luis. Sie hat es zusammen mit dem Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) und dem Verein „Mehr Zeit für Kinder“ durchgeführt und im März 2024 abgeschlossen.

Zudem entwickelt die innovative Gesundheitsmanagerin ein Programm zur Gesundheitsförderung für Betreuungskräfte: „Wie wollen die physische und psychische Gesundheit der Mitarbeitenden stärken, um langfristig Erschöpfung und Burnout vorzubeugen.“

Ein neues Projekt ist das „Generationen-Gesundheitsnetzwerk: Gemeinschaftliche Bewältigungsstrategien gegen Einsamkeit im Alter.“ Das Land Hessen fördert es im Programm „Pflegeheim – Mitten im Leben“. Die erste Phase startete im Dezember 2024 mit Kooperationen zwischen Vereinen, Schulen und Kindertagesstätten. Das soll generationenübergreifende Begegnungen fördern – etwa mit dem Kunstprojekt „Skulpturen der Lebensfreude“.

In den letzten zwei Jahren hat Minh Luis über hundert Betreuungskräfte zu den Themen Altersdepression, Teambuilding und Kommunikation geschult – mit messbaren Ergebnissen. „Nach der Schulung berichteten viele Teilnehmende, dass sie sich sicherer im Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen fühlten und neue Wege in der Betreuung und Kommunikation gefunden haben. Genau das war unser Ziel“, beschreibt sie die Effekte.

Stärkung von innen

Aktuell arbeitet sie an einem Fortbildungskonzept für personenzentrierte Betreuung. Betreuungskräfte sollen stärker auf die individuellen Biografien und Bedürfnisse der Senior:innen eingehen können. Dabei setzt Luis auf kleine Lerneinheiten, Praxistrainings und engmaschige Begleitung im Arbeitsalltag.

Für sie ist Fortbildung mehr als nur Wissensvermittlung. Sie sieht sie als Schlüssel zur Teamstärkung. „Ein gutes Team ist wie ein starkes Netz – je dichter die Verbindungen, desto mehr trägt es.“ Ihre Workshops fördern nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch den Gemeinschaftssinn und das gegenseitige Vertrauen. Als Mentorin fordert, fördert und nimmt die Teilnehmenden mit – unabhängig von deren Erfahrung. „Jeder bringt seine eigene Geschichte mit. Diese Vielfalt ist unser größter Schatz.“ Sie entwickelt ihre Schulungen so, dass sie verschiedene Wissensstände integrieren. Anfänger erhalten eine solide Basis, während erfahrene Kräfte ihre Kenntnisse vertiefen.

Kennen Sie auch eine Persönlichkeit aus der Sozialen Betreuung, die Sie für ein Porträt vorschlagen möchten?

Vielleicht haben Sie sogar selbst schon einiges bewegt in der Betreuung und haben Lust, sich porträtieren zu lassen: Dann schreiben Sie uns an aktivieren@vincentz.net

Praktische Ideen für die Betreuung mit allen Sinnen finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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