Angebotsplanung

Tierisch aktivieren: Wie ein Thema alle Teilnehmenden erreicht

Mit Binnendifferenzierung können Betreuungskräfte in einer einzigen Aktivierungsrunde Bewohner:innen mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten ansprechen. Am Beispiel „Tiere“ zeigt sich, wie dasselbe Material für alle Teilnehmenden sinnvoll eingesetzt werden kann.

Bewohnerin betrachtet Sittich im Käfig
Ein Thema, etwa im Bereich Tiere, kann mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden alle kognitiven Fähigkeitsstufen ansprechen. Foto: Werner Krüper

Ein Angebot für alle Fähigkeitsstufen

Aktivierungsangebote in Senioreneinrichtungen stehen oft vor der Herausforderung, dass die Teilnehmenden sehr unterschiedliche kognitive und körperliche Fähigkeiten mitbringen. Statt getrennte Gruppen zu bilden, empfiehlt Aktivierungsexpertin Dr. Andrea Friese in ihrem aktuellen Beitrag in der Zeitschrift Aktivieren das Konzept der Binnendifferenzierung: Innerhalb EINER Aktivierungsrunde werden verschiedene Zugänge und Anforderungsniveaus angeboten.

Das Grundprinzip ist einfach: Dasselbe Material – etwa Tierbilder, Gegenstände oder Musik – wird für kognitiv stärkere Teilnehmende spielerisch anspruchsvoll, für schwerer eingeschränkte eher sinnlich und basal eingesetzt. Besonders wirksam sind Angebote, die mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen: sehen, hören, fühlen, sich bewegen, schmecken und selbst aktiv werden.

Differenzierte Zugänge am Beispiel „Tiere“

Beim Thema „Tiere“ können gut erkennbare Fotos oder einfache Zeichnungen unterschiedlich eingesetzt werden. Während fittere Teilnehmende die Bilder nach Lebensraum, Größe oder Beziehung zum Menschen ordnen, Untergruppen bilden oder das Spiel „Tierkette“ spielen, reicht für Menschen mit stärkeren Einschränkungen das Zeigen und Benennen bekannter Tiere oder das einfache Zuordnen von „Haus- oder Wildtier“.

Auch beim Hören lässt sich gut differenzieren: Einige Bewohner:innen erkennen Tierstimmen, ordnen sie zu und erzählen eigene Erlebnisse. Andere profitieren vom Wiedererkennen vertrauter Geräusche oder von kurzen Gesprächsimpulsen wie „Wie klingt ein Hund?“, wobei die Gruppe den Laut gemeinsam nachahmt. Bei Tierliedern können kognitiv fittere Teilnehmende Titel erraten und Strophen ergänzen, während andere durch Mitsummen oder rhythmisches Bewegen zur Musik eingebunden werden.

Aktivierung über alle Sinne

Haptisches Material wie Tierfiguren in Tastsäckchen, Federn oder Felle bietet weitere Differenzierungsmöglichkeiten. Fittere Personen beschreiben ertastete Gegenstände und erzählen Erinnerungen; Menschen mit schwereren Einschränkungen erleben vor allem die Berührung und beantworten einfache Ja/Nein-Fragen wie „Fühlt es sich weich an?“.

Bewegungsaufgaben „wie ein Tier“ – etwa das Nachahmen einer Katze, eines Vogels oder eines Elefanten – lassen sich im Stehen, im Sitzen oder nur mit kleinen Handbewegungen durchführen und so an unterschiedliche körperliche Ressourcen anpassen. Auch kreative Elemente wie „tierische“ Fensterbilder oder Collagen bieten Raum für Differenzierung: Während einige Teilnehmende feinmotorische Tätigkeiten übernehmen, können andere Farben auswählen oder beim Auflegen von Teilen helfen.

Friese betont, dass dieses Prinzip auf nahezu jedes Thema übertragbar ist – ob „Früher auf dem Land“, „Jahrmärkte“, „Berufe“ oder „Rund um das Wasser“. Entscheidend sei, dass jede Übung so vorbereitet wird, dass sie sich spontan vereinfachen oder erweitern lässt und jede Form der Beteiligung als wertvoll anerkannt wird. Das übergeordnete Ziel bleibt stets dasselbe: Lebensfreude, soziale Teilhabe und das Gefühl von Selbstwirksamkeit für alle Teilnehmenden zu fördern – unabhängig von ihren individuellen Einschränkungen.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für die Betreuung für unterschiedliche Anforderungen finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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