Demenz

Wie Märchen und Musik Menschen zusammenbringen

Eine Veranstaltung des Haus Stephanus im hessischen Alsfeld hat das Potenzial von Märchen und Musik aufgezeigt, wenn es darum geht, Erinnerungen zu wecken und Einsamkeit entgegenzuwirken. Mit Unterstützung des Förderprogramms „Altenheime: Mitten im Leben“ setzt die Einrichtung das „Generationen-Gesundheitsnetzwerk“ um, um soziale Teilhabe mit Events wie diesem zu fördern.

Musik im Haus Stephanus, Alsfeld
Gemeinsam mit sieben aktiven Senioren des Seniorenchores „Margot and Friends“ unter Leitung von Margot Naumann sangen die Teilnehmenden Volkslieder, die sie ein Leben lang begleitet hatten. Foto: Minh Luis, GFDE

Musik und Märchen als Tor zur Erinnerung

Ein vertrautes Lied, eine alte Geschichte – manchmal genügt ein kleiner Impuls, um vergessene Erinnerungen wieder aufleben zu lassen. Genau das geschah beim Märchennachmittag im Haus Stephanus. Volkslieder und Märchenerzählungen entführten die Bewohner in ihre Kindheit und brachten persönliche Geschichten ans Licht.

Minh Luis, Fachergotherapeutin für Demenz, eröffnete die Veranstaltung mit den Worten: „Wir sind Professoren der Vergesslichkeit.“ Ihr Ansatz zeigt: Erinnerungen gehen nicht verloren, sie verändern nur ihre Form. Musik und Märchen sind kraftvolle Schlüssel, um sie wieder zugänglich zu machen.

Singen verbindet Generationen

Der Seniorenchor „Margot and Friends“ begleitete den Nachmittag musikalisch. Mit Liedern wie „Kein schöner Land“ oder „Hoch auf dem gelben Wagen“ wurden selbst zurückhaltende Bewohner zum Mitsingen ermutigt. Musik braucht keine bewusste Erinnerung – sie ist tief verankert.

Auch die Märchen hatten eine besondere Wirkung. Beim Vortrag von „Frau Holle“ lauschten die Teilnehmenden gebannt. Doch es blieb nicht beim Zuhören – viele ergänzten Details oder erzählten die Geschichte aus ihrer eigenen Sicht.
Wissen, das bleibt – trotz Vergesslichkeit

Ein weiterer Höhepunkt war das Märchenquiz, das von Praktikanten moderiert wurde. Fragen wie „Was verliert das Mädchen bei Frau Holle?“ oder „Warum sticht sich Dornröschen?“ führten zu regen Diskussionen und fröhlichem Rätselraten.

Besonders beeindruckte eine 93-jährige Bewohnerin mit ihrem Wissen. „Dafür verdient sie eine Medaille!“, rief ein Chormitglied begeistert. Solche Momente zeigen: Erinnerungen bleiben, auch wenn manches verblasst.

Neben schönen Erlebnissen verfolgte der Nachmittag ein wichtiges Ziel: Gemeinschaft stärken. Das Haus Stephanus nimmt am Förderprogramm „Altenheimen: Mitten im Leben“ teil und setzt das Projekt „Generationen-Gesundheitsnetzwerk“ um. Ziel ist es, Einsamkeit im Alter entgegenzuwirken. (wir berichteten)

Denn oft sind es nicht große Ereignisse, die das Leben bereichern – sondern kleine, geteilte Momente. Der Märchennachmittag zeigte eindrucksvoll, wie Musik, Geschichten und Gemeinschaft Erinnerungen wecken und das Miteinander stärken können.

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