Demenz
Wissenschaftsakademien fordern datengestützte Demenzprävention
Drei der renommiertesten deutschen Wissenschaftsorganisationen – die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) – haben in einer gemeinsamen, knapp 60-seitigen Stellungnahme Leitplanken für eine wirksamere Demenzprävention formuliert. Laut dem Deutschen Ärzteblatt fordern sie darin, sowohl neue Forschungsdaten zu erheben als auch bereits vorhandene Daten systematischer auszuwerten. Mittelfristig sollen die gewonnenen Erkenntnisse in die Versorgungspraxis einfließen.
Prävention als derzeit wirksamster Hebel
Die Stellungnahme liefert keinen detaillierten Fahrplan, sondern skizziert notwendige Maßnahmen. Die Begründung der Akademien: Eine Heilung oder effektive Behandlung von Demenz sei „aktuell nicht absehbar“. Deshalb biete die Vermeidung oder Reduktion beeinflussbarer Risikofaktoren gegenwärtig die beste Möglichkeit, die Krankheitslast zu senken.
„Demenzen sind keine zwangsläufige Alterserscheinung und auch nur zu einem geringen Anteil erblich – wir könnten somit das Auftreten einer Demenz beeinflussen“, erklärte Svenja Caspers, Leiterin der zuständigen Akademien-Arbeitsgruppe, vom Universitätsklinikum Düsseldorf und vom Forschungszentrum Jülich. Die Möglichkeiten der Prävention würden derzeit nicht ausgeschöpft. Ziel müsse es sein, jedem Menschen sein individuelles Demenzrisiko mitteilen und darauf abgestimmte Handlungsempfehlungen geben zu können, so Caspers bei einem Presse-Briefing.
Über ein Drittel der Fälle potenziell vermeidbar
Wie drängend das Thema ist, unterstreichen Berechnungen eines deutschen Forschungsteams vom Ende vergangenen Jahres: Demnach sind 36 Prozent aller Demenzfälle in Deutschland durch zwölf vermeidbare Risikofaktoren bedingt – darunter Bluthochdruck, Schwerhörigkeit, erhöhte Blutfettwerte, niedriges Bildungsniveau und körperliche Inaktivität. Würde die Verbreitung dieser Risikofaktoren um 15 Prozent gesenkt, könnten laut den Forschenden bis 2050 rund 170.000 Demenzfälle verhindert oder zumindest hinausgezögert werden.
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