News

Universität Halle erforscht klangtherapeutisches Instrument Crdl

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erforscht ein Team, wie das innovative Klangtherapie-Instrument Crdl Menschen mit Demenz erreichen kann und sich langfristig im Pflege- und Betreuungsalltag integrieren lässt.

Crdl im Praxistext
Universität Halle erforscht das Klangtherapie-Instrument Crdl für Menschen mit Demenz. Acht Geräte sind derzeit im Einsatz, bei dem das Forschungsteam die Einrichtungen unterstützt. Foto: AWO Weser Ems

Innovative Technologie für Menschen mit Demenz

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat die erste deutsche Begleitforschung zum klangtherapeutischen Instrument Crdl [Cradle] gestartet. Das innovative Kommunikationsgerät, das bereits zweitausendfach in der Praxis eingesetzt wurde, soll nun wissenschaftlich untersucht werden. „Wir sehen in Crdl eine fertige Lösung, die Menschen mit Demenz oder anderen Einschränkungen auf eine neue Art erreicht“, erklärt Dr. Anja Wolf, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität. „Es ist kein Spielzeug, sondern ein therapeutisches Instrument mit nachweislichem Mehrwert für die Pflegepraxis.“

Von zwei auf acht Geräte: Ausweitung der Forschung

Nach positiven Erfahrungen mit zwei Crdl-Geräten hat die Universität sechs weitere angeschafft. Alle acht Geräte kommen nun im Rahmen der „TPG – Innovationsregion für digitale Transformation der Pflege und Gesundheitsversorgung“ zum Einsatz. Dieses vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Projekt ermöglicht den Einsatz in verschiedenen Innovationslaboren im südlichen Sachsen-Anhalt. Die Forschenden wollen herausfinden, wie Crdl langfristig wirkt und wie es sich in den Pflegealltag integrieren lässt. Die ersten Rückmeldungen sind vielversprechend: „Ob jung oder alt – fast jeder, der Crdl ausprobiert, ist überrascht und emotional berührt. Dieses Leuchten in den Augen zu sehen, ist für uns ein großer Antrieb“, berichtet Wolf.

Implementierung und Fördermöglichkeiten

Ein zentraler Aspekt der Begleitforschung ist die Frage, wie technische Innovationen tatsächlich in der Pflege implementiert werden können. „Jede Technik ist nur so gut wie derjenige, der sie anwendet“, betont Wolf. „Unser Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Technologie keine Belastung, sondern eine wertvolle Unterstützung sein kann – insbesondere, wenn es darum geht, die Lebensqualität von Menschen in Pflegeeinrichtungen zu erhöhen.“ Aktuell kontaktiert das Forschungsteam Pflegeeinrichtungen in den Landkreisen rund um Halle, um Crdl vorzustellen und bei der Implementierung zu unterstützen.

Die Forscher:innen untersuchen zudem, welche Rahmenbedingungen für eine breitere Anwendung solcher Technologien nötig sind. „Wir wünschen uns Fördermöglichkeiten, damit Einrichtungen sich Crdl genauso selbstverständlich anschaffen können wie andere therapeutische Geräte“, erklärt Wolf. Das Präventionsgesetz von 2015 könnte hier eine wichtige Rolle spielen, da es gesetzliche Krankenkassen und Länder zur Zusammenarbeit bei Gesundheitsprävention verpflichtet. Die konkrete Umsetzung variiert jedoch je nach Bundesland. Bei Fragen zu Fördermöglichkeiten unterstützt der Hersteller interessierte Einrichtungen.

Passend dazuBerührung wird zu Klang: AWO testet innovatives Holzinstrument