Angebotsplanung

Mit Trommelschlägen zu mehr Selbstbewusstsein

In Stade begeistern Senior:innen mit „Senior Drums“ auf dem Stadtfest. Die fast 100-jährige Erika und ihre Mitstreiter:innen zeigen, wie selbst kleine Bewegungen das Selbstbild stärken und zu mehr Teilhabe führen. Ein Plädoyer für den ressourcenorientierten Blick in der Betreuung.

Drums beim Altstadtfest Stade
Senior Drumszeigt: Bewegungsangebote fördern Selbstvertrauen und Teilhabe im Alter und machen auch Heimbewohner:innen zufriedener und selbstständiger. Foto: Wencke Delekat

Bewegung schafft Erfolgserlebnisse

„Ich möchte nicht wie ein alter Mensch behandelt werden“, sagt Erika, Jahrgang 1926. „Niemand muss mich in Watte packen. Ich möchte leben und am Leben teilnehmen.“ Diese Haltung spiegelt sich im Engagement der Seniorin wider, die mit der „Senior Drums“-Gruppe, geleitet von Wencke Delekat, beim Stader Altstadtfest auftrat. „Da muss ich erst fast 100 Jahre alt werden, um so etwas zu erleben!“, freute sie sich über ihren ersten Auftritt auf dem zentralen Platz ihrer Heimatstadt.

Wencke Delekat, Initiatorin des Projekts, erklärt: „Selbst kleine selbstständig ausgeführte Bewegungen können Meilensteinen der positiven Selbstwahrnehmung sein.“ Die ausgebildete Drums Alive-Trainerin adaptierte das Konzept für ihre Teilnehmenden und schuf damit ein Angebot, das weit mehr bewirkt als körperliche Aktivierung.

Von der Sporthalle auf die Bühne

Alles begann mit einem 14-tägigen Sportangebot für Bewohner:innen Stader Seniorenheime, finanziert durch einen örtlichen Lions Club. Daraus entwickelte sich die „Senior Drums“-Gruppe, die nach intensiver Vorbereitung im Juni 2025 ihren großen Auftritt hatte. Die Teilnehmenden wählten gemeinsam Lieder aus, passten Choreografien an und standen schließlich vor begeistertem Publikum auf der Bühne.

Die Wirkung ging weit über den Applaus hinaus. „Die soziale Teilhabe, das Gruppengefühl, die Leistung haben ihnen einen nachhaltigen und wichtigen Eindruck vermittelt“, berichtet Delekat. „Ein Gefühl, das sie seit Jahren kaum mehr verspürt hatten.“

Der tägliche Blick auf die Ressourcen

Solche Auftritte sind nicht wöchentlich reproduzierbar, aber der ressourcenorientierte Blick lässt sich täglich anwenden. Delekat empfiehlt, für jeden Bewohner einen „Ich schaff das ganz alleine“-Plan zu erstellen – von der selbstbestimmten Auswahl der Kleidung bis zum eigenständigen Weg zum Speiseraum.

„Mit der ‚Empowerment‘-Brille sehe ich in den Senior:innen ihre Fähigkeiten und biografischen Erlebnisse, die sie zu den Menschen gemacht haben, die sie heute sind“, erklärt die Expertin. Erfolgreiche Senior:innen erlebt sie zufriedener, positiver und aktiver im täglichen Leben.

Bewegung als Schlüssel zur Teilhabe

Angesichts schwindender personeller Ressourcen im Gesundheitswesen ist jeder zufriedene und aktive Bewohner zudem eine Entlastung für die Mitarbeitenden. Doch vor allem geht es um Würde: „Wer möchte schon gerne nur auf seine Defizite und seine ‚Bedürftigkeit‘ reduziert werden?“, fragt Delekat.

Ihr Fazit: „Das Leben im Alter ist bunt und bewegt! Lassen Sie uns gemeinsam täglich dafür arbeiten!“

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für bewegte Angebote finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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