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Kulturprojekt gegen Einsamkeit: Sterbende erzählen ihre Geschichten
Wie fühlt sich Einsamkeit an – und wie können wir ihr begegnen? Im Rahmen des Kulturprojekts „Einsam oder Gemeinsam 2025 – Erzähl mir [D]eine Geschichte“ gehen Bewohner*innen, Gäste und Mitarbeitende des Michaelis Hospiz diesen Fragen nach. Gemeinsam mit Partnern wie dem Forum Literatur, der Brücke der Kulturen, Caritas Wohnen und den AWO-Stadtteilmüttern entstehen bewegende Erzählformate, die Menschen über Generationen hinweg verbinden – mit Liedern, Gedichten, Podcasts und biografischen Interviews.
Ab August 2025 können Gäste des Michaelishospizes in Hildesheim Teil eines besonderen Podcast-Projekts werden. Unter dem Titel „Einsam oder Gemeinsam 2025 – Erzähl mir (D)eine Geschichte“ erhalten schwerkranke Menschen die Möglichkeit, über ihr Leben zu sprechen – oft im Bewusstsein, dass ihnen nur noch wenige Tage bleiben. Das Projekt ist ein bewusstes Herantasten an das gesellschaftlich häufig verdrängte Thema Sterben und zugleich der Versuch, ein Tabu zu brechen, indem man den Betroffenen zuhört.
„Bei unseren Gästen scheint es oft so, als hätten sie mit ihrem Leben abgeschlossen und keinen Gesprächsbedarf mehr“, erklärt Andrea Zimmermann, Leiterin des Michaelishospizes. Die Erfahrung zeige jedoch: Wenn man ihnen zuhört, öffnen sich plötzlich ganze Lebenswelten. Genau hier setzt das Projekt an, das vom Forum Literaturbüro geleitet wird, welches bereits langjährige Erfahrung mit Erzählprojekten in verschiedenen Einrichtungen hat.
Geschichten, die bleiben sollen
Im Zentrum des Projekts steht die Podcast-Reihe „Zu gehört“, die bereits in anderen Einrichtungen wie der Vinzenzpforte, dem Magdalenenhof oder St. Ansgar erfolgreich umgesetzt wurde. Das Team desForum Literaturbüros – Rachel Bleher, Christine Rautz und Jo Köhler – führt gemeinsam mit Kulturvermittler:innen wie Liane Kügler Gespräche mit den Hospizgästen.
Der Schritt ins Hospiz ist für das Projekt ein nüchterner, konsequenter und mutiger zugleich. Denn hier endet das Erzählen nicht mit einer Pause, sondern mit dem Tod. Dies verleiht den Gesprächen eine besondere Intensität und Authentizität. Die Themen sind dabei so vielfältig wie die Menschen selbst: Es geht um Glücksmomente, verpasste Chancen, letzte Wünsche, manchmal um Versöhnung oder einfach nur darum, gehört zu werden.
Ein Vermächtnis für die Nachwelt
„Für unsere Gäste ist das wie ein Vermächtnis“, betont Hospizleiterin Zimmermann. Die Podcasts ermöglichen es den Sterbenden, ihre Geschichten zu hinterlassen und anderen Menschen Einblicke in ihre Lebenserfahrungen zu gewähren. Für die Hörer:innen bei Spotify bieten die Aufnahmen eine Möglichkeit, sich mit fremden Leben, Gedanken und Erfahrungen verbunden zu fühlen.
Die ersten Folgen von „zugehört“ aus dem Michaelishospiz sollen ab Ende Juli 2025 über die Internetseite des Forum Literaturbüros unter www.forum-literatur.de verfügbar sein. Das Projekt öffnet Türen dort, wo viele glauben, es gäbe nichts mehr zu erzählen, und gibt dem Lebensende eine Stimme, die über den Tod hinaus gehört werden kann.
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