Biografiearbeit

Biografiearbeit beim Sommerfest im Haus Stephanus

Beim Sommerfest im Haus Stephanus in Alsfeld stand neben Musik und Gottesdienst ein neues Biografieprojekt im Mittelpunkt: „Zeitreise durchs Leben“ macht die Lebensgeschichten von Bewohner:innen sichtbar.

Sommerfest Haus Stephanus 2026
Die Sonntagssänger Holzburg begeisterten beim Sommerfest im Haus Stephanus mit bekannten Volksliedern. Die Bewohnerinnen und Bewohner stimmten in die vertrauten Melodien ein und machten das Atrium zu einem großen Mitsingkonzert. Fotos: Minh Luis/GfdE, Collage KI-generiert mit GPT-5.6 Terra

Was steckt hinter dem Biografieprojekt „Zeitreise durchs Leben“?

Das Haus Stephanus in Alsfeld hat beim diesjährigen Sommerfest das Biografieprojekt „Zeitreise durchs Leben“ vorgestellt, bei dem Bewohner:innen in freiwilligen Gesprächen von ihrem Lebensweg, ihren Werten und prägenden Erfahrungen erzählen. Professionelle Porträtaufnahmen ergänzen die erzählten Geschichten. Laut der Pressemitteilung des Hauses Stephanus entsteht das Vorhaben im Projektverbund „Wertvolle Wege – Denkstöße mit Herz und Verstand“.

Projektkoordinatorin Minh Luis sagte bei der Vorstellung: „Hinter jeder Zimmertür lebt ein Mensch mit einem einzigartigen Lebensweg. Genau diese Geschichten möchten wir sichtbar machen.“ Für Fachkräfte in der sozialen Betreuung ist das Projekt ein konkretes Beispiel dafür, wie sich Biografiearbeit strukturiert in den Alltag einer stationären Einrichtung einbinden lässt.

Wie fördert Hessen die Öffnung von Pflegeheimen?

Das Biografieprojekt wird über das hessische Förderprogramm „Pflegeheim – Mitten im Leben“ finanziert, mit dem das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege stationäre Einrichtungen dabei unterstützt, sich stärker ins Gemeinwesen zu öffnen. Laut der Pressemitteilung wurden im ersten Förderaufruf zwölf Einrichtungen mit insgesamt mehr als 1,4 Millionen Euro gefördert. Das Haus Stephanus gehört mit seinem Konzept zu den ausgewählten Projekten. Ziel des Programms ist es, Kooperationen mit Vereinen, Kommunen und weiteren Partnern auszubauen und soziale Teilhabe im Alter zu stärken.

Wie war das neue Veranstaltungskonzept aufgebaut?

Das Haus Stephanus hat sein Sommerfest bewusst neu gestaltet: Statt eines zentralen Veranstaltungsortes führte der Nachmittag über mehrere Stationen durch das Haus. Konzert, Kaffeerunde, Gottesdienst und Grillabend wechselten sich ab. Kurze Wege und Ruhephasen sollten den Bedürfnissen der Bewohner:innen gerecht werden. „Nicht jedes Angebot passt zu jedem Menschen. Aber jeder Mensch soll ein Angebot finden, das zu ihm passt“, sagte Projektkoordinatorin Minh Luis.

Welche Rolle spielte Musik für die Biografiearbeit?

Die Sonntagssänger Holzburg unter der Leitung von Chordirigent Manfred Gonder eröffneten das Fest mit bekannten Volksliedern, in die viele Bewohner:innen einstimmten. Laut Pressemitteilung entstand ein besonderer Moment, als Gonder einen 100-jährigen Bewohner an ein gemeinsames Schullied erinnerte: „Ernst, erinnerst du dich noch? Dieses Lied haben wir früher gemeinsam in der Schule geübt. Heute singen wir es nach so vielen Jahren wieder zusammen.“ Auch Bernd Jung, der die Organisation der Sonntagssänger betreut, erkannte unter den Bewohnern einen früheren Sangeskameraden aus dem Männergesangverein Holzburg e.V. wieder. Solche Momente zeigen, wie Musik und persönliche Erinnerungen bei Veranstaltungen in Pflegeeinrichtungen zusammenwirken können.

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