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Beim Neubau alle Stellschrauben ausreizen
Bauen in Krisenzeiten: Auch das ist Thema auf der ALTENPFLEGE 2024 vom 23. bis 25. April in Essen in der Halle Raum & Technik. Architekt Marco Kelle gibt eine Einschätzung über die Trends und Herausforderungen in diesem Jahr.
Beim Neubau alle Stellschrauben ausreizen: „Die finanz- und weltpolitischen Entwicklungen der vergangenen Monate stellen Betreiber von Pflegeimmobilien gleich welcher Ausrichtung vor große Herausforderungen. Die wirtschaftlichen Umwälzungen, die aus der Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine resultieren, treffen auf steigende Zinsen und den Wegfall der meisten Förderprogramme. Dennoch ist die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum für ältere Menschen und Pflegeangeboten weiterhin hoch und Betreiber von stationären Pflegeeinrichtungen müssen ihre Bestandsimmobilien zukunftsfähig halten“, stellt Marco Kelle, Architekt und Geschäftsführer der Plankonzept GmbH, fest.
Hoher Sanierungsaufwand bis 2030
Die Betreiber stünden vor der Herausforderung, ihren Gebäudebestand in die Klimaneutralität zu führen. Marktexperten schätzten, dass bis 2030 ein Sanierungsaufwand von ca. drei bis fünf Millionen Euro je stationärer Bestandseinrichtung in Deutschland anfallen würden. Das seien in Summe ca. 35 bis 60 Milliarden Euro. Diese Kosten würden die Betreiber nicht ausschließlich aus Eigenmitteln stemmen können. Aktuell gewähre die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) noch zinsgünstige Darlehen für die energetische Sanierung von Pflegeimmobilien. Neben einem niedrigen effektiven Jahreszins würden auch Tilgungszuschüsse zwischen fünf Prozent und 45 Prozent sowie zusätzliche Förderungen für die Baubegleitung ausgereicht. Förderungen von Einzelmaßnahmen zur Optimierung der Gebäudetechnik und der energetischen Sanierung könnten über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beantragt werden, so Kelle. Aufgrund der raschen Änderungen der Förderlandschaft in den vergangenen Monaten könne allerdings nicht mit Sicherheit gesagt werden, dass diese Förderungen auch für die kommenden Jahre verlässlich zur Verfügung stehen.
„Für die Initiierung von Neubauvorhaben ist derzeit viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Es müssen alle Stellschrauben zur Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens – wie Flächeneffizienz, Optimierung der Gebäudetechnik und nachhaltige Konstruktionsvarianten – ausgereizt werden“, betont Marco Kelle. Bei einigen Vorhaben sei ein hohes Maß an gleichartigen, off-site-vorgefertigten Bauelementen, wie Außenwandmodule oder komplette Badzellen oder Räume, zu verzeichnen.
Kelle: „Fakt ist, dass sich die Landschaft der Pflegeimmobilien ein weiteres Mal wandeln wird, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Es ist nicht unmöglich, aber wir müssen alle gemeinsam an vielen Stellen neu denken.“
Hierzu beraten auch die Ausstellenden in der Halle Raum & Technik. Mehr Infos zur ALTENPFLEGE 2024
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