Angebotsplanung

Altersdepression betreuerisch begegnen

Depressionen in Alten- und Pflegeheimen bleiben häufig unbemerkt. Tatsächlich sind Anzeichen einer Depression im Alter nicht immer eindeutig. Die unterschätzte Volkskrankheit ist kein unausweichliches Schicksal, wenn sie rechtzeitig erkannt und therapiert wird. Der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren liefert Hintergrunde und zeigt auf, welche Bewältigungsstrategien und Betreuungsangebote für Menschen mit Depression im Alter geeignet sind.

Senioren beim Spaziergang
Betreuungs- und Pflegekräfte können dazu beitragen, dass Bewohner:innen trotz ihrer nur noch begrenzten Lebenszeit und der schwindenden Kräfte nicht den Blick auf die schönen Dinge des Lebens verlieren. Foto: Minh Luis/GfdE-Gruppe

Altersdepression betreuerisch begegnen: Forschende gehen davon aus, dass rund die Hälfte der Pflegeheimbewohnerschaft mit Depression keine adäquate Therapie erfährt. Da die Regelversorgung eine Psychotherapie in Altenpflegeeinrichtungen nicht vorsieht, sind Bewältigungsstrategien und spezielle ­Betreuungsangebote unverzichtbar.

Thi Minh Ngoc Luis, Betreuungsdienstleitung im Haus Stephanus im hessischen Alsfeld verfolgt mit ihrem Team das Ziel, Bedürfnisse der Bewohner:innen mit Depressionen in der Betreuung stärker zu berücksichtigen und Pflegefachpersonen sowie Betreuende hinsichtlich dieser Erkrankung zu sensibilisieren. Sie hat daher Schulungseinheiten konzipiert und dazu eine Pilotschulung im hessischen Bad Vilbel rund um das Thema Altersdepression durchgeführt.

Sterbewünsche sind Alarmzeichen

Bekommen es Pflegefach- oder -hilfskräfte im Pflegealltag sowie Betreuungskräfte in der Einzelbetreuung mit Sterbewünschen von Bewohner:innen zu tun, ist ein sofortiger Hinweis an die Vorgesetzten unerlässlich, damit zeitnah eine Fallbesprechung und gegebenenfalls die umgehende Hinzuziehung des Hausarztes und Angehörigen im Rahmen der Krisenintervention erfolgen kann.

Multiprofessionelle Begleitung ist gefragt

In einem Beispielfall, den Minh Luis in ihrem Beitrag beschreibt, litt ein mittlerweile verstorbener 77-jähriger krebskranker Bewohner, der weitere Chemotherapien oder Operationen ablehnte, nicht nur an den Folgen seiner Krankheit. Er beklagte auch den Verlust seiner verstorbenen Frau. Ein Gespräch mit dem Seelsorger lehnte er ab. Vertrauen zum Psychiater hatte er ebenfalls nicht, wohl aber zur Therapeutin. Die legte als Maßnahmen unter andere Projektarbeit, Ausflüge, zweimalige Ergotherapie pro Woche mit psychosozialem Gespräch, mehrfache Spaziergänge an der frischen Luft, Cafébesuche mit seiner Familie, die Betreuung durch eine Palliativ-Fachkraft sowie die Betreuungskräfte fest. Nach einem Ausflug zu einem ihm vertrauten Ausflugsziel schöpfte er neue Lebensfreude. Nach einigen Wochen Perspektivenwechsel und Aktivitäten ergab das erfreuliche Ergebnis des Gesundheitsfragebogens für Patienten: „Kein Verdacht auf Depression.“

Resilienz: Akzeptanz, Hoffnung schenken und neue Lebensaufgaben aufzeigen

Mit den geeigneten Maßnahmen und deren regelmäßiger Evaluation kann sich die subjektiv empfundene Lebensqualität von Menschen mit altersdepressiver Entwicklung schon binnen weniger Wochen steigern. Grundvoraussetzung ist die Gewinnung des Vertrauens der Bewohner:innen, bei denen messbare Frühzeichen einer Depression vorliegen. „Im besonderen Fokus sollte das Schenken neuer Hoffnung für Menschen durch gemeinsame Suche nach neuen Lösungen und neuen Lebensaufgaben stehen“, so Luis. Verbunden ist dies der Betreuungsleitung zufolge mit der Anpassung der therapeutischen Angebote sowie der Betreuungsangebote an die jeweiligen Umstände vor Ort.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für Angebote für mehr Lebensqualität finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.