Angebotsplanung
Märchenstunden im Pflegeheim: Mehr als nur Erinnerungspflege
Im Haus Stephanus in Alsfeld erleben Demenzpatienten durch ein besonderes Märchenprojekt neue Lebensfreude. Die regelmäßigen Veranstaltungen aktivieren die Bewohner auf vielfältige Weise und schaffen Momente der Verbundenheit.
Alle zwei Wochen verwandelt sich eine Wohngruppe im Haus Stephanus in eine Märchenwelt. Laut Projektkoordinatorin Minh Luis werden dabei Erinnerungen „mit allen Sinnen greifbar“ gemacht. Das interdisziplinäre Team setzt auf eine Kombination aus Vorlesen, Rätseln, Requisiten und Musik, um die Bewohner zu aktivieren und positive Emotionen hervorzurufen.
Bemerkenswerte Erfolge bei herausfordernden Fällen
Die Wirkung des Projekts zeigt sich besonders deutlich bei Bewohnern, die im Alltag als schwierig gelten. Eine Teilnehmerin, die normalerweise durch Unruhe und mangelnde Gruppenfähigkeit auffällt, sitzt während der Märchenstunde plötzlich eine ganze Stunde lang still, hört zu und beteiligt sich aktiv. Auch eine geistig behinderte Bewohnerin, die sonst Gruppenaktivitäten meidet, blüht in der Märchenrunde regelrecht auf.
Das Haus Stephanus mit Projektleiterin Minh Luis berichtet von einer weiteren Bewohnerin, die trotz Sehbehinderung und anfänglicher Zurückhaltung regelmäßig an den Nachmittagsveranstaltungen teilnimmt. Sie lauscht aufmerksam, singt mit und lässt sich sogar zum Tanzen animieren – ein eindrucksvolles Beispiel für die verbindende Kraft von Musik und Geschichten.
Musik als zentrales Element
Eine besondere Rolle spielt die musikalische Begleitung durch den Ehrenamtlichen Matthias Langer. Mit seinem Akkordeonspiel und Gesang sorgt er für emotionale Momente und regt die Erinnerungen der Teilnehmer an. Gemeinsam mit einem akkordeonspielenden Bewohner schafft er eine Atmosphäre, die laut Betreuungskräften alle zum lauten Mitsingen animiert.
Vielfältige Methoden für ganzheitliche Aktivierung
Das Märchenprojekt setzt auf einen abwechslungsreichen Methodenmix. Bei „Dornröschen“ etwa vervollständigten die Bewohner bekannte Sätze und nahmen an einem Quiz teil. „Hänsel und Gretel“ wurde mit Unterstützung von Praktikanten und engagierten Bewohnern szenisch umgesetzt. Jede Sitzung endet mit einer Tanzrunde, bei der auch zurückhaltende Teilnehmer behutsam einbezogen werden.
Nachhaltige Wirkung auf den Pflegealltag
Die positiven Effekte der Märchenstunden reichen weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus. In einem sonst unruhigen Wohnbereich stellt sich während und nach den Sitzungen eine spürbare Ruhe ein, die oft bis in den Abend anhält. Luis betont, dass die Märchenstunden mehr als reine Unterhaltung sind: „Sie sind personenzentrierte Begegnungen, in der Tagesstruktur verankert. Sie geben Sicherheit, fördern Teilhabe und schenken den Bewohnern ein Stückchen mehr Lebensqualität – trotz neurologischem Abbau.“
Das Projekt ist Teil des Förderprogramms „Pflegeheim – Mitten im Leben“ und findet alle zwei Wochen statt. Es zielt darauf ab, Bewohner zu aktivieren, Teilhabe zu fördern und herausforderndes Verhalten zu reduzieren. Die nächste geplante Märchenstunde wird sich dem Thema „Schneewittchen“ widmen.
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Buchtipp: Märchen für Menschen mit Demenz II
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