Angebotsplanung

Aktivitäten, die Männer ansprechen

Wie kann man pflegebedürftige Männer sinnvoll beschäftigen? Eine Arbeitsgruppe hat Ideen gesammelt, wie Einrichtungen den Bedürfnissen der männlichen Bewohner besser gerecht werden können.

Senioren spielen draußen Karten
Auch wenn man natürlich nichts pauschalisieren kann, haben ältere Männer heutzutage oft andere Interessen als gleichaltrige Frauen. „Männerangebote“ sollten also mitgedacht und vorgehalten werden. Foto: diego cervo

Aktivitäten, die Männer ansprechen: Nicht selten fallen männliche Bewohner in Pflegeheimen durch herausforderndes Verhalten auf: Mit oder ohne Demenz kommt es zu Agitiertheit, Aggression, aber auch Depression. Ein Grund oder zumindest ein Trigger hierfür kann darin bestehen, dass Männer in Pflegeheimen keine Beschäftigung finden, die sie angemessen auslastet. Was tun? Eine Arbeitsgruppe des Projekts DemOS hat Ideen zusammengetragen, wie Einrichtungen den Bedürfnissen männlicher Bewohner besser gerecht werden könnten.

Männeranteil in Pflegeeinrichtung steigt

Für Frauen sei es im Pflegeheim relativ einfach, eine Betätigung zu finden, heißt es im Kurzfilm des Projekts DemOS. Gezeigt werden Haushaltstätigkeiten: Wäsche zusammenlegen, den Esstisch reinigen. Aber wie können Pflegekräfte männliche Bewohner einbinden, die vielleicht eine Demenz entwickeln, aber körperlich durchaus noch Kraft und Energie haben? Jutta Bühler, Präsenzkraft und Alltagsbegleiterin in Villingen-Schwenningen, berichtet von Bewohnern, die das Problem spontan selbst in die Hand nahmen: „Da kam es dann schon mal vor, dass die Möbel auseinander geschraubt oder Stühle gestapelt wurden.“ Lösungen tun also not. Es braucht passende Angebote.

Dass die Thematik nicht nur Einzelfälle betrifft, ist durch Zahlen belegt: Vor gut 30 Jahren belief sich der Anteil männlicher Heimbewohner noch auf 21 Prozent. Rund zehn Jahre später waren es mit 27 Prozent bereits deutlich mehr, Tendenz steigend. Hinzu kommt der Generationenwechsel bei den Bewohner:innen: Wer jetzt im Pflegeheim ist, ist teils durch die 68er-Bewegung geprägt und hat womöglich andere Vorstellungen von sinnvoller Beschäftigung als die Menschen davor.

Personenzentriert auch hinsichtlich Pflegender

Wie solche Beschäftigungen aussehen können, hat eine Arbeitsgruppe des Projekts DemOS aus dem Stuttgarter Raum zusammengetragen. Die Abkürzung steht für „Demenz – Organisation – Selbstpflege“. Sie betont, dass eine personzentrierte Haltung sich nicht nur auf zu Pflegende mit demenzieller Erkrankung beziehen darf, sondern auch für die Pflegekräfte selbst, also die Mitarbeitenden gelten muss. „Der Erhalt der Arbeitskraft und einer positiven Arbeitseinstellung professionell Pflegender setzen einen wertschätzenden Umgang voraus, welcher die erforderlichen Rahmenbedingungen gewährleistet, eine gute Selbstpflege unterstützt und die Qualität der geleisteten Arbeit und die mit ihr einhergehende Arbeitszufriedenheit durch entsprechende Förderung absichert“, heißt es auf der Website des Projekts. Konkret geht es darum, die Arbeitszufriedenheit und Qualität der Pflege zu erhöhen, Burn-out-Risiken zu vermindern, das soziale Klima zu verbessern und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Dass Pflegende Ideen und Maßnahmen an der Hand haben, welche Angebote sie männlichen Bewohnern machen können anstatt hilflos dazustehen, kann dazu sicherlich beitragen.

Modellprojekt hat Aktivitätskonzept erarbeitet

Das Modellprojekt, zu dem die Arbeitsgruppe gehört, ist bei der Demenz Support Stuttgart gGmbH, Zentrum für Informationstransfer in Ostfildern (Baden-Württemberg) angesiedelt. Acht Praxispartner sind an der Umsetzung beteiligt. Vier davon arbeiten nach einem integrierten Versorgungskonzept, bei den anderen vier handelt es sich um spezielle Einrichtungen für Menschen mit Demenz. Aus den Ideen, die die Arbeitsgruppe zur Einbindung männlicher Bewohner zusammengetragen hat, entstand ein Aktivitätskonzept. Es beinhaltet Themen wie männliche Identität, aber auch Bewegungsförderung, Tätigkeiten in Haus und Hof oder Erinnerungspflege. So werden etwa Bewohner mitgenommen, wenn in der Einrichtung Getränkekisten transportiert werden müssen.

„Da können sie dann ihre Kraft einsetzen. Man merkt, das tut denen gut!“, freut sich Bühler. Andere Aktivitäten gehörten vor dem Einzug ins Pflegeheim ganz selbstverständlich zum Alltag vieler Bewohner: Kehren etwa, aber auch Rasen mähen oder Schuhe putzen. Damit andere Einrichtungen die Überlegungen nachvollziehen und mit wenig Aufwand umsetzen können, wird auf der Website eine Praxishilfe zur Verfügung gestellt. Das zehnseitige PDF-Dokument listet sowohl handwerkliche Tätigkeiten auf als auch Vorschläge für Zeitschriftenabonnements, die für männliche Bewohner interessant sein könnten. In der Rubrik „Gegenstände“ wird zwischen Dingen wie Koffern oder Handkarren unterschieden, die sich eher zum Tragen und Schieben eignen und solchen, die vor allem zum Sortieren oder zum Anfassen und Hantieren gedacht sind, wie etwa Werkzeuge, ausrangierte Geräte oder Kartenspiele.

„Vorbehaltsaufgaben“ an Pflegebedürftige abgeben

Manche Vorschläge überschneiden sich mit dem, was in Einrichtungen normalerweise dem Hausmeister beziehungsweise der Technik vorbehalten ist: Den Hof kehren, die Tiergehege pflegen oder den Maibaum vorbereiten beispielsweise. Und warum sollten Bewohner nicht dabei helfen, den Weihnachtsbaum aufzustellen, wenn sie das ihr ganzes Leben lang in der eigenen Häuslichkeit getan haben? Für Einrichtungen, die eine eigene Werkbank haben, sind sogar kleine „Auftragsarbeiten“ denkbar: Benötigen Angehörige oder die benachbarte Kita eine Reparatur, können sie ihren Wunsch auf einem Formular notieren und in einem Ablagefach deponieren. Eine zuständige Person sichtet die Wünsche und teilt sie Bewohnern zu, die sich diese Arbeit zutrauen. Für Alltagsbegleiterin Bühler sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppe ein voller Erfolg: „Wenn die Männer mit strahlenden Gesichtern zurückkommen, oder an ihrem Lächeln merken wir ganz klar: Das hat ihnen gefallen.“


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