Biografiearbeit

Wenn ein Umweg zur Erinnerungsreise wird

Ein Ausflug zum Antriftsee wird für Bewohner:innen des Hauses Stephanus zur Zeitreise: Bei Kaffee und Kuchen erinnern sie sich an Kindheit, Entbehrungen und frühere Zeiten – Teil des Biografieprojekts.

Senioren im Bus
Gut gelaunt kehren die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses Stephanus vom Antriftsee zurück. Im Bus gibt es zum Abschluss sogar Applaus für einen erlebnisreichen Nachmittag. MinhLuis_GFDE-Haus Stephanus

Sechs Bewohner:innen des Hauses Stephanus machten sich mit Minh Luis, Leitung des Betreuungsdienstes, und Betreuungskraft Inge Haber auf den Weg zum Antriftsee. Eine Sperrung auf der Bundesstraße 62 führte zu einem Umweg durch den westlichen Vogelsberg. Die ungewohnte Route durch Zell, Heimertshausen und Billertshausen weckte bereits während der Fahrt erste Erinnerungen an frühere Reisen und Menschen aus der Region.

Erinnerungen an einfache Zeiten

Am Lakeside Resort Michaela erwarteten die Gruppe Eiskaffee und Schwarzwälder Kirschtorte. Bei sommerlichen Temperaturen entwickelte sich ein Gespräch über frühere Lieblingsgerichte: Kartoffelgemüse, Spinat mit Ei, geröstetes Brot mit Salz und selbst gebackenes Bauernbrot. Auch Reis mit Zucker gehörte für einige zur Kindheit. Eine Bewohnerin erinnerte sich, dass ihre Familie Brot für eine ganze Woche backte. Andere berichteten von den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren, als Steckrüben und Kartoffeln den Alltag prägten.

Die Teilnehmer:innen erzählten auch von ihren Aufgaben als Kinder: Sie reinigten Treppen und Gemeinschaftstoiletten, halfen beim Waschen und Kochen. Kochwäsche wurde in großen Kesseln erhitzt, Zeitungspapier diente als Ersatz für Toilettenpapier. „Wir hatten ein hartes Leben, aber wir sind mit unseren Aufgaben gewachsen“, fasste eine Teilnehmerin zusammen.

Biografieprojekt „ZeitReise durchs Leben“

Der Ausflug knüpfte an das Biografieprojekt „ZeitReise durchs Leben“ im Haus Stephanus an. Bewohner:innen erzählen darin von Kindheit, Familie, Beruf und prägenden Erfahrungen. Ausgewählte Geschichten sollen in einen Kalender einfließen. „Jeder Mensch hat seine eigene Lebensgeschichte“, sagt Luis. Entscheidend sei, Menschen nicht auf ihren Unterstützungsbedarf zu reduzieren, sondern ihre Erfahrungen und Wertvorstellungen wahrzunehmen. Die Gespräche am Antriftsee zeigten, wie beiläufig Erinnerungen entstehen können – ein Gericht oder eine Bemerkung genügten. Das Fazit der Teilnehmer:innen fiel kurz aus: „Schön war es.“

Passend dazu: Biografiearbeit beim Sommerfest im Haus Stephanus

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