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„Betreuung ist keine Lückenfüllerin, sondern Profession“
Die Rolle der Betreuungsdienstleitung hat sich grundlegend gewandelt: Weg vom reinen „Freizeitangebot“ hin zu einer professionellen, teilhabeorientierten Betreuungskultur. Betreuungsprofis berichten im Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren über die neuen Kompetenzen und Herausforderungen dieser Schlüsselposition.
Von der Beschäftigung zur Teilhabe
„Früher war Betreuung eher ein Freizeitangebot – damit Bewohner nicht gelangweilt sind“, erinnert sich Diana Behne, Leitung Sozialer Dienst im Haus Sprute Pflegeeinrichtungen. Seit ihrem Einstieg in die Soziale Betreuung 2009 hat sich ein deutlicher Wandel vollzogen. „Den meisten reicht ‚ein bisschen Beschäftigung‘ nicht mehr. Es geht darum, ressourcenorientiert zu arbeiten, damit Menschen möglichst lange eine hohe Lebensqualität haben.“ Bewohner:innen sollen sich im Alltag zurechtfinden, sich wohlfühlen und ihr Zuhause aktiv mitgestalten können.
Susanne Klein, Bildungsreferentin an der IN VIA Akademie in Paderborn, bestätigt diesen Kulturwandel: „Ich denke, das ist heute der Wunsch vieler Bewohner: ihr Zuhause mitzugestalten.“ Als positives Beispiel nennt sie eine Betreuungsdienstleitung, die den Bewohnerbeirat im Sinne von „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützt hat. Dadurch wurde der Beirat aktiver und bezog mehr Bewohner:innen ein – echte Partizipation entstand.
Professionalisierung der Betreuungsleitung
Die gestiegenen Anforderungen erfordern eine Professionalisierung der Betreuungsleitung. „Ich wollte zeigen, dass Betreuung eine echte Profession ist“, erklärt Behne ihre Motivation, sich weiterzubilden als Leitungskraft in der Sozialen Betreuung. „Ich wollte professioneller arbeiten – mit Struktur, Planung, Kommunikation.“ Auch das Auftreten verändert sich: „Ich bin heute selbstbewusster, kann Konflikte ansprechen, Angehörige einbeziehen.“
Klein entwickelte 2016 einen Lehrgang für Betreuungsdienstleitungen, als gesetzliche Änderungen mehr Betreuungskräfte in die Einrichtungen brachten. „Das bedeutete größere Teams, Dienstpläne, Verantwortung. Viele kommen aus sozialen Berufen – als Ergotherapeutinnen, Sozialarbeiterinnen – und haben Dienstplanung, Kritikgespräche oder Kommunikation in Leitung nicht gelernt.“ Inzwischen gehört auch Projektmanagement zum Lehrplan, damit Betreuungsleitende die Betreuungskultur in ihren Einrichtungen gezielt weiterentwickeln können.
Schnittstelle zwischen Betreuung und Pflege
„Die Betreuungsleitung ist oft die Schnittstelle – oder auch das Sprachrohr – zwischen Betreuung und Pflege“, betont Klein. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit erfordert Kommunikation auf Augenhöhe und gegenseitige Wertschätzung. Behne bestätigt: „Wenn die Pflege weiß, was die Betreuung macht – und umgekehrt – entsteht Verständnis.“
Besonders wichtig ist die gemeinsame Planung. „Es sollte nicht passieren, dass Betreuungskräfte oder Pflegekräfte Zeit mit Warten verbringen, weil Abläufe nicht aufeinander abgestimmt sind“, erklärt Klein. Idealerweise entwickeln Pflegedienstleitung und Betreuungsdienstleitung gemeinsam eine Tourenplanung, bei der Betreuung bewusst Raum bekommt und nicht zwischen Frühstück, Behandlungspflege und Toilettengängen eingeklemmt wird.
Behne beschreibt, wie sich in ihrer Einrichtung über die Jahre ein funktionierendes System entwickelt hat: „Heute nutzen wir einen kombinierten Ansatz: Es gibt einen Wochenplan mit den Tagesthemen und einen Dienstplan, auf dem Informationssymbole vermerkt sind.“ Diese Abstimmung wurde in großen Teamsitzungen gemeinsam erarbeitet – mit Pflege, Hauswirtschaft und Sozialdienst. „Früher hieß es oft: ‚Ach, wir schieben mal Betreuung dazwischen.‘ Heute wissen wir: Betreuung ist kein Lückenfüller, sondern ein zentraler Bestandteil des Alltags der Bewohner.“
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Trotz positiver Entwicklungen gibt es Herausforderungen. Klein äußert Bedenken bezüglich des neuen Personalbemessungsverfahrens (PEBEM): „Es wird teilweise so gedeutet, dass Pflegedienstleitungen zusätzlich die Betreuung mitsteuern sollen. Ohne eine spezielle Qualifikation. Es droht, dass Betreuung wieder zur Funktionspflege wird.“
Behne bestätigt diese Sorge: „In manchen Häusern ist Betreuung wieder nur Unterstützung für die Pflege. Dann werden Toilettengänge durchgeführt und Mahlzeiten zu Gruppenangeboten – aber echte Betreuung bleibt auf der Strecke.“
Für die Zukunft wünschen sich beide Expertinnen mehr Austausch zwischen Betreuungsleitungen verschiedener Einrichtungen. „Thematische Treffen, kollegialer Austausch – das bringt Qualität in die Betreuung“, ist Behne überzeugt. Auch die Quartiersarbeit gewinnt an Bedeutung: „Eine Teilnehmerin der letzten Weiterbildung hat zum Beispiel eine Heimzeitschrift entwickelt, die später ins Gemeindeblatt aufgenommen wurde. So wird das Heim Teil der Gemeinde – keine Insel mehr“, berichtet Klein.
Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für konkrete Betreuungsangebote in der Gruppe finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.
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