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Therapeutischer Pferde-Besuch: Wenn Hufe im Pflegeheim klackern

Wenn Wega ihre Hufe auf das Laminat des Pflegeheims setzt, verändert sich die Atmosphäre spürbar. Die Haflingerstute besucht regelmäßig die Seniorenresidenz „Hyggegarten“ in Bückeburg und sorgt für leuchtende Augen bei den Bewohner:innen.

Stute im Pflgeheim, Boris Roessler/dpa
Das Pferd strahlt Ruhe aus, die sich auf die betagten Menschen überträgt. Foto: Boris Roessler/dpa

Tierische Begegnung im Speisesaal

Vorsichtig setzt Haflingerstute Wega ihre Hufe auf das dunkle Laminat im Foyer des Pflegeheims in Bückeburg, Niedersachsen. Das Klackern der Hufeisen weckt sofort die Neugier der Bewohner:innen. „Kommt ruhig näher heran, sie ist ganz vorsichtig“, ermutigt Nele Plaßmeier, die ihr Pferd nur locker am Strick führt. Auf dem Weg zum Speisesaal folgen mehrere Frauen in ihren Rollstühlen dem ungewöhnlichen Besucher. Dort haben die Mitarbeiter:innen der Seniorenresidenz „Hyggegarten“ bereits die Tische zur Seite geräumt. Etwa zwanzig Senior:innen sitzen im Kreis und erwarten gespannt Wegas Ankunft – viele von ihnen gesundheitlich eingeschränkt, mit Demenzsymptomen oder auf den Rollstuhl angewiesen.

Wohltuende Wirkung auf die Bewohner:innen

„Seitdem unsere Bewohner wissen, dass Wega wieder zu Besuch kommt, merkt man den Leuten die Vorfreude richtig an“, berichtet Tanja Schal, Leiterin des Sozialdienstes. „Das Pferd strahlt einfach eine Ruhe aus, die sich sofort auf die Menschen überträgt. Das ist toll.“ Die braune Stute bewegt sich behutsam durch den Raum, schnuppert vorsichtig und scheint die ungewohnte Umgebung genau wahrzunehmen. „Sie erkennt genau, dass sie sich hier langsam und vorsichtig bewegen muss – aber das haben wir geübt“, erklärt die 23-jährige Pferdebesitzerin. Besonders berührend sind die Reaktionen der Bewohner:innen: „Das ist einfach so schön. Ich bin auf dem Dorf groß geworden, da waren überall Pferde“, erzählt eine Frau strahlend, während sie mit zittriger Hand Wegas Hals streichelt. Ein Mann im Rollstuhl kommentiert nach dem Striegeln der Pferdeflanke: „Das ist was ganz Tolles für uns hier.“

Tierwohl und Zukunftspläne

Nach etwa 45 Minuten endet der Besuch, und Wega wird behutsam zum Ausgang geführt. Die angehende Lehrerin Nele Plaßmeier aus Porta-Westfalica achtet darauf, dass der Besuch auch für das Pferd nicht stressig wird – ein Aspekt, den auch der Deutsche Tierschutzbund betont. Die Organisation bewertet solche Einsätze grundsätzlich positiv, da das Berühren des Tieres das Wohlbefinden der Patient:innen stärken kann, weist jedoch darauf hin, dass bei Anzeichen von Stress der Besuch abgebrochen werden sollte. Plaßmeier verdient mit ihren sorgfältig geplanten Einsätzen kein Geld, möchte aber ihre Arbeit künftig professionalisieren. Sie plant ein Sonderpädagogik-Studium an der Universität Bielefeld. „Das Lachen der Menschen ist für mich die schönste Bezahlung“, sagt sie und streicht ihrem Pferd liebevoll über den Kopf. (dpa)

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