Angebotsplanung

Sportrunde wirkt ganzheitlich präventiv

Die tägliche Sportrunde in der Caritas-Tagespflege St. Paulus ist mehr als Mobilisierung. Sie kann Pflegesituationen hinauszögern und verhindern.

Bewegung in der Seniorengruppe
In der Bewegung liegt viel: Lebensfreude, Gesundheit und soziale Kontakte helfen, dem Altern entgegenzutreten. Foto: Michael Bönte/Caritasverband für die Diözese Münster

Täglich eine Stunde Bewegung

Der „Schinkengang“ hat seinen festen Platz in der sportlichen Morgenrunde der Tagespflege St. Paulus der Caritas in Kamp-Lintfort. Bei der Übung bewegen sich die Gäste von der Stuhlkante zur Rückenlehne und zurück – die Gesäßmuskulatur wird trainiert. Eine alltagsnahe Bewegung, die das Aufstehen und Hinsetzen erleichtert. Eine Stunde steht die Sportrunde täglich auf dem Programm. Annette Hollmann, Krankenschwester mit Fortbildungen für Bewegungs- und Musikangebote, leitet die zwölf Frauen und Männer an. Die Übungen werden zunehmend anspruchsvoller, oft geht es raus aus dem Stuhl. „Mobilisierung, Kräftigung, Koordination…“ Hollmann zählt die Ziele auf, die in den Übungen meist spielerisch versteckt sind. „Alles, was sie benötigen, um ihren Alltag selbstständig gestalten zu können.“

Prävention verhindert frühere Pflegebedürftigkeit

Im Alter schwindet der Bewegungsradius. „Wer da nicht gegen anarbeitet, verliert schneller Möglichkeiten, Haushalt, Freizeit oder soziale Kontakte zu gestalten“, erklärt Hollmann. „Ohne Prävention durch Bewegung wird die Pflege oft früher notwendig“, sagt Petra Steigerwald, Leiterin der Tagespflege. Fehlende körperliche Aktivierung habe Auswirkungen auf viele gesundheitliche Aspekte. „Es geht nicht nur um verbesserte physische Leistungsfähigkeit – es geht um die Psyche, um Medikation, um Mitteilungsfähigkeit, um soziale Kompetenzen, um Erinnerungsvermögen…“ Gerade für die überwiegend demenziell Erkrankten bringe das enorme Möglichkeiten. Das Bewegungsprogramm ist seit der Eröffnung vor 13 Jahren fester Bestandteil der Tagespflege.

Flächendeckendes Konzept fehlt

„Wir wollen Pflegesituationen hinauszögern oder verhindern“, sagt Anne Eckert, Leiterin des Bereichs Altenhilfe im Caritasverband für die Diözese Münster. „Wer in die Aktivierung alternder Menschen investiert, ermöglicht ihnen nicht nur ein längeres Leben in Selbstständigkeit und damit mehr Lebensqualität, sondern entlastet auch das Pflegesystem.“ Ein flächendeckendes, kostenfreies und erreichbares Konzept fehle jedoch. Räume, Übungsleiter:innen und Material sollten von den Kassen finanziert werden. „Am Ende würde sich das für die Pflegekassen rechnen, denn verhinderte Pflegezeiten bedeuten enorme Einsparungen.“

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