Angebotsplanung
Schüler:innen entdecken die Welt der Pflege
Ein Schulbesuch im Pflegeheim? Was zunächst ungewohnt klingt, wurde für eine sechste Klasse der Gerhart-Hauptmann-Schule im hessischen Alsfeld zu einer eindrucksvollen Erfahrung. Im Haus Stephanus begegneten sie Seniorinnen und Senioren, teilten Zeit, Erlebnisse und berührende Momente. Ein Tag, der für viele neue Perspektiven öffnete.
Das Förderprogramm „Pflegeheim: Mitten im Leben“ und das Projekt „Generationen – Gesundheitsnetzwerk“ verfolgen genau dieses Ziel: Junge Menschen mit älteren zusammenbringen, Berührungsängste abbauen und soziale Isolation durch echte Begegnungen überwinden. Fachergotherapeutin Demenz und Projektkoordinatorin Minh Luis begleitet die Schüler gemeinsam mit den Praxisanleitern Mike-Phil Peppler und Natascha Lerch. Lehrer Sahin Kaplan sorgt für die pädagogische Unterstützung.
Vom Fremdeln zur Vertrautheit
Zu Beginn herrscht Unsicherheit. Der Geruch von Desinfektionsmittel, die ruhige Atmosphäre und die ungewohnte Umgebung lassen die Schülerinnen und Schüler zögern. Doch schon nach wenigen Minuten legt sich die Anspannung. Fachergotherapeutin Demenz und Projektkoordinatorin Minh Luis sowie die Praxisanleiter Mike-Phil Peppler und Natascha Lerch begleiten die Jugendlichen und ermutigen sie, mit den Seniorinnen und Senioren ins Gespräch zu kommen. „Ich wusste nicht, was ich sagen soll, aber dann war es total schön“, berichtet eine Sechstklässlerin. Ein Bewohner lacht: „Das ist, als wären die Enkel zu Besuch.“
Gemeinsam backen, lachen und Erinnerungen teilen
Besonders in der Wohnküche taut die Gruppe schnell auf. Zusammen mit den Seniorinnen und Senioren backen die Jugendlichen einen Bienenstich. Ein ehemaliger Bäckermeister beobachtet das Geschehen mit geschultem Blick. „Na, habt ihr das schon mal gemacht?“, fragt er mit einem Lächeln. Während der Teig aufgeht, entstehen Gespräche über frühere Zeiten. „Ich habe das Gefühl, ich backe mit meinem Opa“, sagt ein Junge gerührt.
Nach dem Backen setzen sich alle gemeinsam an den Tisch. Es geht nicht nur ums Essen – es geht um Begegnung. „Die Kinder dürfen gern wiederkommen“, sagt der ehemalige Bäckermeister. „Das bringt Leben ins Haus.“
Pflege hautnah erleben
Nach dem gemütlichen Beisammensein folgt eine neue Herausforderung: der Rollstuhlschiebenschein. Ein Schüler schiebt, ein anderer sitzt – gemeinsam üben sie das Manövrieren über Schwellen und Rampen. „Ganz schön anstrengend!“, stellt eine Schülerin erstaunt fest. Noch eindrücklicher wird es, als sie lernen, eine Mitschülerin mit einem Lifter umzusetzen. „Ich dachte, Pflege ist nur ein bisschen helfen. Aber das ist richtig harte Arbeit“, sagt ein Junge beeindruckt.
Beim abschließenden Kreativ-Workshop halten die Schülerinnen und Schüler ihre Erlebnisse in Bildern fest. „Das war mehr als ein Schulausflug“, resümiert Lehrer Sahin Kaplan. „Das war eine Erfahrung, die bleibt.“
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