Personal

Mit Ampelfarben Konflikte frühzeitig erkennen und lösen

Mit dem Ampelmodell überträgt Aktivieren-Autorin Marie Krüerke die klare Signalwirkung von Verkehrsampeln auf die Kommunikation in Pflegeeinrichtungen. Es hilft Betreuungskräften, Gesprächssituationen einzuordnen und Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu lösen.

Teamarbeit am Tisch
Das Ampelmodell hilft Betreuungskräften, Kommunikationsprobleme zu erkennen: Grün für gelungene Gespräche, Gelb für Klärungsbedarf, Rot für drohende Eskalation. Foto: contrastwerkstatt/AdobeStock

Grün: Wenn die Kommunikation reibungslos funktioniert

Gespräche bilden das Herzstück der Sozialen Betreuung – sei es mit Bewohner:innen, Angehörigen, Ehrenamtlichen oder im Austausch mit Kolleg:innen aus anderen Bereichen wie Pflege, Küche oder Haustechnik. Eine funktionierende Kommunikation ist daher unverzichtbar. Das Ampelmodell bietet eine einfache Methode, um Gesprächssituationen einzuordnen und angemessen zu reagieren.

Grün steht für gelungene Gespräche: Alle Beteiligten fühlen sich respektiert und ernstgenommen. Die Atmosphäre ist konstruktiv, sodass sich alle auf die Inhalte konzentrieren und gemeinsam Lösungen finden können. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie dies aussehen kann: In der „Residenz Waldsee“ klären die Mitarbeitenden der Sozialen Betreuung jeden Morgen anstehende Aufgaben und deren Prioritäten. Dabei werden bewusst auch emotionale Aspekte berücksichtigt – sowohl die Befindlichkeit der Bewohner:innen als auch die der Teammitglieder. Seit die Bedürfnisse der Mitarbeitenden gleichwertig behandelt werden, ist die Arbeitszufriedenheit deutlich gestiegen.

Gelb: Wenn Spannungen aufkommen und Klärung nötig wird

Die gelbe Ampelphase signalisiert, dass eine Person sich nicht vollständig integriert fühlt – sei es inhaltlich oder persönlich. Typische Anzeichen sind das Gefühl, wiederholt überhört oder missverstanden zu werden, ohne zu wissen, wie man damit umgehen soll. In dieser Phase liegen ernsthafte Kommunikationsprobleme vor, die jedoch nicht von allen wahrgenommen oder sogar bewusst ignoriert werden.

Ein anschauliches Fallbeispiel beschreibt Marie Krüerke in der aktuellen Ausgabe von Aktivieren mit Monika. Sie fühlt sich im Team zunehmend isoliert. Absprachen, die ihre Aufgaben betreffen, werden oft ohne Rücksprache geändert. Besonders auffällig ist dies nach ihren Ausgleichstagen: Plötzlich stehen zusätzliche Termine für Gruppenangebote im Kalender – obwohl sie erst kürzlich ihre Belastungsgrenze thematisiert hatte. Sie fragt sich: „Hört mir die Teamleitung überhaupt zu?“ und „Warum werden meine Grenzen ignoriert?“ In solchen Situationen leuchtet innerlich die gelbe Ampel auf: Es besteht dringender Gesprächsbedarf, eine klare Lösung wird benötigt.

Rot: Wenn Eskalation droht und externe Hilfe nötig wird

Die rote Ampelphase markiert die letzte Chance, eine Eskalation zu verhindern. In diesem Stadium hat eine Kollegin möglicherweise innerlich bereits aufgegeben und arbeitet nur noch nach Vorschrift, bis sie einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat. Oder ein Tagesgast verlässt die Einrichtung, weil er keine Möglichkeit zur Problemlösung sieht. Auch heftige emotionale Ausbrüche, die die weitere Zusammenarbeit in Frage stellen, fallen in diese Kategorie.

Das Fallbeispiel der Praktikantin Valerie verdeutlicht eine Rot-Situation: Nach einer Ohrfeige durch einen demenziell veränderten Bewohner sitzt sie weinend in der Raucherecke und überlegt, ihr Praktikum abzubrechen. Solche eskalierten Situationen, aus denen kaum ein Weg zurück zur Normalität erscheint, erfordern besondere Aufmerksamkeit und oft externe Unterstützung.

Praktische Anwendung im Betreuungsalltag

Für die praktische Anwendung des Ampelmodells empfiehlt sich zunächst eine persönliche Bestandsaufnahme: Listen Sie Situationen und Personen auf, mit denen die Kommunikation reibungslos funktioniert (grüne Liste). Identifizieren Sie dann Gespräche oder Begegnungen, die Sie verunsichern oder verärgern (gelbe Liste). Schließlich notieren Sie Momente, in denen Sie am liebsten emotional ausbrechen würden (rote Liste).

Bei Gelb-Situationen gilt es, Muster zu erkennen und den Mut aufzubringen, Konflikte offen anzusprechen – auch wenn mit Gegenwind zu rechnen ist. Bei Rot-Situationen ist externe Unterstützung ratsam, etwa durch Supervision oder Beratung. Eine neutrale Person kann helfen, Beobachtungen zu sortieren und Lösungswege zu erarbeiten.

Das Ampelmodell bietet so einen einfachen, aber wirkungsvollen Rahmen, um Kommunikationsprobleme frühzeitig zu erkennen und konstruktiv zu lösen.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für Betreuungsangebote finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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