Angebotsplanung
Kleine Gruppen, kurze Wege, enge Kontakte
Punkten mit Betreuung im Hausgemeinschaftsmodell: Während andere mit Auslastungsproblemen kämpfen, haben die St. Katharina Wohn- und Pflegegemeinschaften in Werne (NRW) eine Warteliste von an die 100 Personen.
Kleine Gruppen, kurze Wege, enge Kontakte: Die älteste Altenhilfeeinrichtung im Einzugsgebiet ist vor mehr als 50 Jahren aus der katholischen Kirchengemeinde hervorgegangen. Die Bewohner:innen, die sich um einen Heimplatz bewerben sind meist noch kirchlich sozialisiert und kennen das Haus vielfach aus ehrenamtlicher Tätigkeit und als Lebensort eigener Angehöriger. Großen Anteil an der Beliebtheit hat laut Einrichtungsleitung Rudolf Voß inzwischen auch die Konzeption im Hausgemeinschaftsmodell, die das rund 100-köpfige Team seit 2016 umsetzt.
Individuell passende Angebote
Statt in großen Wohnbereichen leben die 96 Bewohner:innen verteilt in neun Hausgemeinschaften mit einer „Familiengröße“ von 9 bis 13 Personen. „Ein übersichtlicher Raum, in den sie sich einbringen, Kontakte pflegen können und sich mit ihren Beeinträchtigungen gut aufgehoben fühlen“, so Voß. „Wir schauen in jeder Hausgemeinschaft: Was lebt dort für ein Klientel, was lässt sich gut umsetzen.“ Intention sei, dass die schwachen den starken Bewohner:innen nicht vorgeführt werden. Dass es aber dennoch Angebote gebe für Menschen, die am Weltgeschehen teilnehmen und übergreifende Angebote wahrnehmen auf einem anderen Niveau, als es vielleicht der Einzelne in der Hausgemeinschaft kann.
Enge Kontakte fördern das Umsetzen von Ideen
Mitarbeitende schätzen laut Voß die klaren Strukturen, die kurzen Wege für Absprachen und Ideen. So konnten etwa Bienenvölker im hauseignen Park einziehen. „Man ist miteinander und mit den Bewohner:innen in Kontakt, man kennt sich und erlebt vielleicht ein bisschen mehr als nur die Person, die hierher zum Pflegen und Betreuen kommt.“ Es brauche aber auch eine „gewisse Gruppe an Mitarbeitenden, die Motor sind, die andere begeistern“. Ein Kollegin hat bespielsweise eine Weiterbildung zur Musiktherapeutin abgeschlossen. Sie hat mit Bewohner:innen eine Band gegründet, die auch auftritt. Singen und Bewegung sind Schwerpunkte in St. Katharina. Dazu gehört auch eine Kooperation mit örtlichen Sportvereinen.
Vernetzt im Quartier
Eine wichtige Komponente des Erfolgsmodells aus Werne ist die Vernetzung im Quartier: „Wir sind präsent und tun eine Menge dafür“, unterstreicht Voß. Die Verwurzelung in der Kirchengemeinde, deren Mitglieder häuftig im Park auf dem Einrichtungsgelände zu Gast sind, etwa zur jährlichen Fronleichnamsprozession, sei ein Pfund. Viele Ehrenamtliche sind laut Voß das Ergebnis der engen Verbindung. Einmal jährlich findet bewusst in den Sommermonaten ein Gedenkgottesdienst in Erinnerung an die in dem Jahr verstorbenen Bewohner:innen statt. Dazu sind die zugehörigen Familien eingeladen – und oft wächst daraus Interesse, ehrenamtlich etwas zu tun, sich in ein Projekt einzubringen.
Videoimpressionen aus der Betreuung im Haus St. Katharina zu den Themen „Front Cooking mit Bewohnern“, „Wie zu Hause – nur mehr los“ oder „Nie zu alt für die Liebe“ gibt es auf der Facebook-Fanpage von Aktivieren: facebook.com/aktivieren.net
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