Angebotsplanung

Bewohnerinnen nehmen erfolgreich an Plakatwettbewerb teil

Kränze binden oder Kerzen gießen: Kreativgruppen gibt es in vielen Seniorenheimen. Im Haus Hoffnungsgrund in Bad Gandersheim beließen es die Bewohnerinnen nicht bei Dekoprojekten, sondern nahmen an einem Plakatwettbewerb teil.

Die Seniorinnen aus der Kreativgruppe hat der Preis aus dem Wettbewerb angespornt, obwohl natürlich nicht das Gewinnen im Vordergrund steht. Foto: DMH-Salem Gruppe

Von Anna Kiefer

Vor fast 120 Jahren wurde in Berlin-Lichtenrade das Diakonissenmutterhaus Salem gegründet. Damals lebten dort ausschließlich Bewohnerinnen, die früher selbst soziale und pflegerische Tätigkeiten übernommen hatten, und zwar im kirchlichen Rahmen. Im Laufe der Jahrzehnte gingen aus dieser ersten Einrichtung diverse Unternehmen hervor. Sie gehören heute zur DMH-Salem Gruppe im niedersächsischen Bad Gandersheim. Neun Diakonissen leben noch immer dort und werden im Mutterhaus betreut. Extra für sie wurde 2023 Alltagsbegleiterin Katja Giszas eingestellt. Ihre Aufgabe: Die Bewohnerinnen bei täglichen Aktivitäten zu unterstützen, aber auch mit den Senior:innen des benachbarten Altenpflegeheims in Kontakt zu bringen.

Kreativgruppe trainiert Feinmotorik

Das gelingt Giszas unter anderem mit ihrer Kreativgruppe. Zweimal im Monat malt oder bastelt sie mit sechs bis zehn hochbetagten Damen, die unter diversen Einschränkungen leiden. „Jemand mit einer Hemiparese kann natürlich nicht so ausschneiden, wie das normalerweise geht“, erklärt Giszas. „Da biete ich dann meine Hand an, um das Blatt festzuhalten. Oder wenn jemand eine Sehbehinderung hat: Da muss ich dann vielleicht die Linie etwas stärker ziehen als bei einer Person, die noch gut gucken kann.“ Herbstgirlanden oder Adventliches: Das Gestalten sei ein gutes Training für Feinmotorik und Koordination. Im Vordergrund stehe aber die Freude und die Erfahrung, ein Erfolgserlebnis zu haben. „Besonders begeistert sind die Bewohnerinnen, wenn wir etwas machen, womit sie ihr Zimmer oder den Flur dekorieren können“, berichtet die Betreuungskraft, die auch Maltherapeutin für Menschen mit Demenz ist. „Oder wenn wir etwas basteln, was sie auch einfach mal Pflegekräften oder Angehörigen als kleines Dankeschön in die Hand drücken können.“

Sie selbst bezeichnet sich als „kreativen Kopf“, der auch privat im Internet nach neuen Gestaltungsideen stöbert. Auf Instagram stieß sie auf ein Gewinnspiel der Firma Pelikan, bei dem man ein Kreativset gewinnen konnte. Tatsächlich gelang es ihr, ein Set für ihre Gruppe zu ergattern. Kurz darauf erhielt sie eine Einladung: Ob die Gruppe Lust habe, am Plakatwettbewerb zum 185-jährigen Firmenjubiläum teilzunehmen? Der bekannte Hersteller für Schreibtinte und Künstlerfarben wurde 1838 in Hannover gegründet. Inhaber Fritz Beindorff suchte als einer der ersten Industriellen gezielt Kontakt zu Malern und Grafikern und schrieb 1898 einen ersten Wettbewerb für Werbeplakate aus. Der letzte fand 1923 statt – und dann erst wieder 100 Jahre später, von Ende April bis Ende September 2023.

Plakatgestaltung als Biografiearbeit

„Die Gruppe war Feuer und Flamme“, berichtet Giszas. „Die Teilnehmerinnen fragten oft nach, ob ich schon etwas gehört hätte.“ Die Marke Pelikan hätten natürlich alle gekannt: Entweder hatten sie selbst oder ihre Kinder oder Enkel die Wasserfarben, Füller oder Stifte genutzt. Die Gestaltung der Plakate sei auch ein Aufhänger für Biografiearbeit gewesen: Mit dem Firmennamen kamen Assoziationen an die Schulzeit auf, die für einige auch mit weniger schönen oder gar traumatischen Erinnerungen verbunden gewesen sei. „Damals durften die Lehrer ja noch prügeln“, so die Alltagsbegleiterin. Dass das offiziell erlaubt war, hatten alle aus der Gruppe noch selbst erlebt: Die jüngste Teilnehmerin ist 82 Jahre alt, die älteste 100. Sie könne „ausmalen und ausschneiden wie der Blitz!“, so Giszas.

Diese Skills kamen beim Plakatwettbewerb zum Einsatz. Da die Teilnehmerinnen lieber ausmalen als frei zu zeichnen, kolorierten sie vorgezeichnete Blüten. Diese wurden ausgeschnitten und von den Bewohnerinnen zu einer Gemeinschaftscollage angeordnet. 50 mal 70 Zentimeter groß war das Kunstwerk auf grünem Tonkarton, das die Gruppe schließlich einreichte: Passend sogar mit Pelikan-Wasserfarben gemalt. Dann begann das Warten. „Die Gruppe war da durchaus ungeduldig! Und dann wurde die Auswertung auch noch um einen Monat nach hinten verschoben!“ berichtet Giszas. Dabei sei es gar nicht darum gegangen, tatsächlich einen Preis zu gewinnen oder gar den ersten Platz zu machen. „Es war eher der Gedanke: Dabei sein ist alles.“

Kurz vor Weihnachten sei dann ein Paket von Pelikan gekommen. Als Dankeschön für die Teilnahme erhielt jede Bewohnerin einen hübschen Kugelschreiber. „Da sind wir super stolz drauf!“, freut sich die Gruppenleiterin. Ihr Plakat ist seitdem in der Ausstellung des Unternehmens im historischen Tintenturm in Hannover zu sehen – zusammen mit zahlreichen anderen privaten Einsendungen, aber auch Original-Entwürfen des Herstellers, unter anderem aus den 1920er Jahren.
Giszas kann sich durchaus vorstellen, dass sie mit ihrer Gruppe öfter an Wettbewerben teilnehmen wird: „Natürlich zum Spaß. Aber es ist schon eine andere Resonanz, ein Ansporn!“