Demenz

Wo ein Hai beim Erinnern hilft

Spezielle Führungen im Karlsruher Naturkundemuseum helfen Menschen mit Demenz, sich zu erinnern.

Fische im Aquarium im Naturkundemuseum Karlsruhe
Menschen mit Demenz reagieren unterschiedlich auf die Fische im Aquarium: Manche sind gesprächig
und zugewandt, andere sind zurückhaltender.
Foto: Naturkundemuseum Karlsruhe

Wo ein Hai beim Erinnern hilft: Eine Gruppe aus dem Seniorenzentrum Stutensee bei Karlsruhe erlebt einen außergewöhnlichen Morgen: Mit Betreuerinnen nehmen sie an einer Führung für Menschen mit Demenz teil. Das Netzwerk Demenz Karlsruhe will mit der gemeinsamen „Reise ans Meer“ Betroffenen und Angehörigen ein besonderes Erlebnis bieten – und zugleich Erinnerungen aktivieren.

Die Idee dazu hatte Gedächtnistrainerin und Demenzberaterin Birgit Großhans. Sie ist auch im Naturkundemuseum tätig und dachte sich: Warum nicht beide Welten miteinander verbinden? Zusammen mit Anna Ziegler vom Geriatrischen Zentrum Karlsruhe ViDia hat sie das Konzept entwickelt und im vergangenen Oktober verwirklicht. Finanziell getragen wird es vom Netzwerk Demenz Karlsruhe, das vom Seniorenzentrum der Stadt koordiniert wird.

Menschen wertschätzen

„Wir wollen Teilhabe für die Menschen mit Demenz schaffen“, so Großhans. Sie sollen nicht am Rand der Gesellschaft stehen. Und sie sollen Wertschätzung erfahren. So begrüßt Anna Ziegler bei der sechsten Führung dieser Art jede einzelne Seniorin im Rollstuhl oder mit Rollator mit Namen und Handschlag. Den Frauen gefällt das. Bei der Runde durch das Museum spricht Anna Ziegler immer wieder Einzelne an.

Die Seniorinnen staunen, lachen, kommen aus sich heraus. Ob Netzmuräne, Krake, Clownfische, schwebende Quallen oder sanft wiegendes Seegras: „Ist das schön“, ist immer wieder zu hören. Und viel ungläubiges Staunen, wie leuchtend-bunt die Natur sein kann. Am mutigsten ist eine 95-Jährige: Sie befühlt als erste ein glitschiges (künstliches) Fischchen und greift interessiert in eine Fühlbox unbekannten Inhalts. Und zuckt zurück. Die darin versteckte Koralle war etwas unvertraut. Doch dann lacht sie.

Von vorangegangenen Ausflügen ins Naturkundemuseum weiß eine Betreuerin, dass alle profitieren und noch Tage später davon erzählen. Selbst eine 89-Jährige, die anfangs nur wenig auf Ansprache reagiert, taut am Ende auf: Der Hai scheint auf sie keinen besonderen Eindruck gemacht zu haben – die Wasserschildkröte im nächsten Bassin schon. Deren Bewegungen verfolgt sie behutsam mit dem Finger an der Aquariumsscheibe.(dpa)

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