Demenz

Verborgenen Klängen einen Raum geben

Singen, Musizieren mit Instrumenten – das überlassen viele Betreuungsteam ­ausgebildeten Fachkräften. Stimmige musikalische Momente können jedoch auch ohne große ­Vorkenntnisse gelingen.

Seniorinnen schwingen Tücher
Getragen von der Musik bewegen sich Teilnehmende oft viel mehr als im Alltag. Material, das dazu einlädt (Chiffontücher etc.) kann zusätzlich unterstützen. Foto: Werner Krüper

Verborgenen Klängen einen Raum geben: Wie könnten nun Betreuungskräfte, die nicht über eine musikgeragogische Ausbildung verfügen, mit positiven Impulse in den Betreuungsalltag von Menschen mit Demenz einbringen? Unter anderem dieser Frage geht Musikpädagogin und -vermittlerin Sirin Kilic in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren nach.

Mut zum Singen

Um mit Teilnehmenden ins Singen zu kommen, bedarf es keiner besonderen (Stimm-)Fertigkeit. „Meist genügt es schon, die ersten Töne vorzusingen, und es wird kräftig mit eingestimmt“, weiß Kilic, die selbst Opernsängerin ist. Auch ein Einstieg über eine Frage nach einem Lied, beispielsweise nach einem Frühlingslied, ist laut der Expertin eine Möglichkeit, um die Teilnehmenden direkt zu aktivieren, ohne sich selbst zu exponieren.

Lieder rhythmisch begleiten

„Zusätzlich zum Singen sollten Teams unbedingt zum Einsatz von einfachen Instrumenten ermutigt werden“, meint Kilic. Diese Instrumente sollten unkompliziert in der Handhabung sein, so dass Klangergebnisse direkt befriedigend ausfallen. Dazu emphiehlt sie Handtrommeln oder Klangbausteine. Mi deren Hilfe können Betreuende einfache Liedbegleitungen gestalten: „Im Grundpuls (so, wie man dazu klatschen würde) wird zum Lied gespielt“, so Kilic.

Das gemeinsame Spielen auf Instrumenten zu Musik einer CD ist eine weitere Möglichkeit, um unkompliziert und niederschwellig gemeinsam ins Musizieren zu kommen. Auch hier bewährt sich das Begleiten beispielsweise mit Handtrommeln und Schlägel zum Grundpuls der Musik. Mittlerweile sind auch ältere Tonaufnahmen im Internet verfügbar. „Und schnell ist man im Gespräch über die Operettenstars der 1960er Jahre“, schreibt Kilic.

Nicht auf die Fachperson warten, sondern anfangen

Wichtig ist ihr zu betonen: „Der Leistungsgedanke kann in musikalischen Settings mit Menschen mit Demenz vernachlässigt werden – wichtig ist, dass überhaupt musiziert wird. Das Lernen und Erleben miteinander und voneinander, aber auch das vielleicht von außen kaum sichtbare (Wieder-) Spüren des eigenen Atems oder eines körperlichen Wohlseins, einer Lebendigkeit, sind Ziele bei der musikalischen Arbeit mit Menschen mit Demenz. Sie bedeuten pure Lebensqualität und oft eine ansteckende Freude im Betreuungsalltag.“
Deshalb, so ihr Plädoyer, sollten Teams den Mut haben, nicht nur auf die – viel zu wenig vorhandenen – Fachpersonen zu warten, sondern einem musikalischen Tun unbefangen und ohne Vorbehalte im Wochenablauf einen Raum zu geben.

Passend dazu: Musikrunden rhythmisch begleiten

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für die Beschäftigung finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.