Demenz
Mit kurzen Begegnungen Beziehung gestalten
Um mit Menschen mit Demenz in Beziehung zu treten, reicht oft ein kurzer, gut gestalteter Moment. Dafür gilt es, schnell und leicht Anknüpfungspunkte zu finden und diese für wertvolle Kontakte zu nutzen.
Mit kurzen Begegnungen Beziehung gestalten: Oft sind die Anforderungen an die Mitarbeitenden so hoch, dass kaum Zeit und Energie für nährende Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern bleibt. So genannte Plus-Kontakte können dieser Entwicklung etwas entgegensetzen. Es geht um leicht anzuwendende, qualitätsvolle und für die Person mit Demenz und die Mitarbeitenden gleichsam bedeutsame Kontakte.
Beispiel für eine Plus-Kontakt
Demenzexpertin Barbara Klee-Reiter gibt in der aktuellen Ausgabe von Aktivieren dazu folgendes Beispiel:
Herr Breuning ist rollstuhlmobil und lebt schon seit einem halben Jahr in einer stationären Altenhilfeeinrichtung. Er ist oft auf den Fluren unterwegs. Mit seinen Füßen schiebt er sich auf dem Rollstuhl sitzend vorwärts. Er hat dabei den Kopf gesenkt und schaut zu Boden. Eine Mitarbeiterin geht langsam auf ihn zu, geht in die Hocke und sucht lächelnd Blickkontakt. Sie wartet ab, bis er sie bemerkt und den Blick zu ihr aufnimmt. Sie lächelt und sagt „Wie schön, dass ich Sie treffe. Ich habe Sie gesucht, Herr Breuning.“ Sie wartet auf eine Reaktion. Er zieht die Augenbrauen hoch und nickt wohlwollend mit dem Kopf. Sie nimmt das Nicken auf und spricht weiter: „Ich wollte mal nach Ihnen sehen, Herr Breuning.“ Er schaut sie an und erwidert: „Ja, ja.“ Die Mitarbeiterin der Betreuung lächelt weiter, und beide nicken synchron mit dem Kopf. „Dann bin ich ja beruhigt, Herr Breuning“, sagt sie und lächelt weiter. Mit den Worten: „Dann sehen wir uns später noch einmal, Herr Breuning!“, verabschiedet sich die Betreuungskraft.
Was banal aussehen mag, ist Ausdruck hoher Fachlichkeit
Die Begegnung mag banal erscheinen. In Wahrheit ist das, was die Betreuungskraft hier tut, eine Kunst!
Durch ihre Langsamkeit, die Pausen, die sie bewusst macht und ihre Freundlichkeit schafft sie einen Raum für Herrn Breuning, in dem er sich sicher fühlt. In diesem Raum versteht er, um was es geht und spürt, dass er als Person wichtig ist und gemocht wird.
Diese Botschaft ist für einen Person mit Demenz existenziell wichtig. Gerade bei abnehmenden kognitiven Fähigkeiten werden nichtsprachliche, positive besetzte, emotionale Momente umso wichtiger. Die Betreuungskraft weiß, dass es für Herrn Breunig gar nicht so bedeutsam ist, was sie sagt. Wichtig ist, wie sie den Kontakt gestaltet. Durch das Erleben, allem folgen zu können, durch die Freundlichkeit der Ansprache, das Lächeln des Gegenübers, spürt Herr Breuning: Ich, Karl Breunig, bin gemeint! Ich, werde hier als Person wahrgenommen und geschätzt. Wenn ein Kontakt diese emotionale, positive Botschaft vermittelt, dann wird aus einem Kontakt ein Plus-Kontakt
Neben der emotionalen Bedeutung für die erkrankte Person, ist also die Art und Weise, wie die Mitarbeiterin der Person begegnet ist, ein Zeichen von Professionalität und Fachlichkeit.
Plus-Kontakte machen Lust auf mehr
„Bei jedem Plus-Kontakt entsteht ein Moment, in dem die Erkrankung in den Hintergrund und die Person in den Vordergrund tritt. Die Betreuungskraft bekommt das Gefühl, einer Person begegnet zu sein“, fasst Barbara Klee-Reiter zusammen. Die Betreuungskraft spürt, dass sie etwas zurückbekommen hat. Da wiederum wirkt motivierend und macht Lust auf den nächsten Plus-Kontakt.
Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für die Betreuung von Menschen mit Demenz finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.
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