News
Pflege am Lebensende: Projekt ZiB setzt auf zusätzliche Betreuungszeit
Mehr Zeit, mehr Zuwendung: Ein Projekt in drei Pflegeeinrichtungen erprobt neue Wege der Palliativversorgung und setzt auf zusätzliche Fachkräfte für die letzte Lebensphase.
Immer mehr Menschen verbringen ihren letzten Lebensabschnitt in Pflegeheimen, zugleich steige in dieser Phase der Betreuungsbedarf deutlich. Im regulären Pflegealltag bleibe dafür jedoch häufig nur begrenzt Zeit. Ein Modellprojekt in Bad Waldsee setze hier an und erprobe neue Wege in der Begleitung Sterbender.
Das Projekt „ZiB“ sehe vor, dass Palliativfachkräfte zusätzlich zu ihrer Tätigkeit im Pflegeheim geringfügig beim örtlichen Hospizverein angestellt würden. In dieser Zeit kümmerten sie sich ausschließlich um die intensive Begleitung von Bewohnerinnen und Bewohnern am Lebensende. Beteiligt seien der Wohnpark am Schloss der St. Elisabeth-Stiftung, das Spital zum Heiligen Geist sowie das Seniorenzentrum Bad Waldsee der Zieglerschen Süd gGmbH. Finanziert werde das Vorhaben durch eine Stiftung, während die Einrichtungen zusätzliche Pflegezeit bereitstellten.
Spaziergänge, Gespräche oder kleine Ausflüge
Die so entstehenden Stunden würden es ermöglichen, stärker auf individuelle Bedürfnisse einzugehen. Spaziergänge, Gespräche oder kleine Ausflüge könnten ebenso stattfinden wie gezielte Ruhephasen und persönliche Zuwendung. „Wenn Mitarbeitende das blaue ZiB-T-Shirt tragen, wissen alle im Haus: Jetzt ist ZiB-Zeit“, sagt Laura Branz, Leiterin des Wohnparks am Schloss.
Auch für die Mitarbeitenden selbst habe das Konzept offenbar Wirkung. Viele erlebten die Einsätze als Rückbesinnung auf zentrale Werte ihres Berufs, etwa Zeit, Aufmerksamkeit und persönliche Begleitung. Ergänzend komme in einzelnen Situationen ein Therapiehund zum Einsatz, der insbesondere bei zurückgezogenen Bewohnern den Zugang erleichtern könne.
Situationen frühzeitig einschätzen
Neben der direkten Betreuung wirke sich das Projekt den Angaben zufolge auch auf die Zusammenarbeit mit Hausärzten aus. Durch zusätzliche palliative Qualifikation könnten Pflegekräfte Situationen frühzeitig einschätzen und angemessen reagieren. Zudem zeichne sich ab, dass Krankenhauseinweisungen häufiger vermieden werden könnten, sodass Bewohner in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.
„Das Projekt zeigt eindrucksvoll, welche Qualität in der Pflege möglich ist, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht“, sagt Christian Schramm, Vorsitzender der Hospizgruppe Bad Waldsee.
Das Modellprojekt ist bis Ende Oktober 2026 angelegt. Die Beteiligten äußerten den Wunsch nach einer dauerhaften Finanzierung sowie nach Verbesserungen beim Personalschlüssel, um eine intensivere Begleitung am Lebensende langfristig zu sichern.
Passend dazu: Über das Sterben reden
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren