Angebotsplanung

Harfenklänge wecken neue Fähigkeiten bei Senior:innen

Ein Musikprojekt mit Veeh-Harfen bringt Freude ins AWO Seniorenzentrum Ismaning. Ohne Notenkenntnisse entstehen Melodien, die Gemeinschaft und Selbstwertgefühl fördern.

Musizieren im Garten
Einmal pro Woche kommt nun eine Musikpädagogin der örtlichen Musikschule ins AWO Seniorenzentrum Ismaning. Foto: AWO Seniorenzentrum Ismaning

Musik ohne Notenkenntnisse

Seit Anfang 2025 haben die Bewohner:innen des AWO Seniorzentrums Bürgerstift in Ismaning die Möglichkeit, die Veeh-Harfe selbst zu erlernen. Die Idee stammte von Brigitte Inegbedion, Leiterin der Sozialen Betreuung. Sie suchte nach einer Aktivität, die nicht nur unterhält, sondern die Senior:innen aktiv einbezieht und ihnen Erfolgserlebnisse verschafft. Die Wahl fiel auf das handliche Zupfinstrument, das auch ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Mithilfe transparenter Schablonen finden die Finger sicher die richtigen Saiten, sodass schnell einfache Melodien entstehen.

Die Finanzierung stellte zunächst eine Hürde dar. Doch die Stiftung der Kreissparkasse im Landkreis München übernahm die Kosten für sieben Harfen, Zubehör und ein Jahr Unterricht, wie Maria Metzger in der aktuellen Ausgabe von Aktivieren schreibt. Die örtliche Musikschule stellte ein weiteres Instrument als Dauerleihgabe zur Verfügung und entsendet wöchentlich eine Musikpädagogin ins Haus. In Gruppen von je vier Teilnehmenden lernen die Bewohner:innen in halbstündigen Einheiten den Umgang mit der Harfe – lange genug zum konzentrierten Üben, ohne zu überfordern.

Mehr als nur Musik

Die Wirkung des Projekts geht weit über das Musizieren hinaus. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in meinem Alter noch ein Instrument spiele. Jeder Ton ist für mich ein kleines Glück“, berichtet eine Bewohnerin. Eine Dame im Rollstuhl betont: „Endlich gibt es etwas, das ich genauso gut kann wie andere. Hier zählt nicht, wie beweglich man ist, sondern die Freude.“

Das regelmäßige Spielen trainiert die Feinmotorik, fördert Konzentration und Gedächtnis und stärkt das Selbstwertgefühl. Selbst Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen können teilnehmen – Pausen sind möglich, ohne dass jemand ausgeschlossen wird. Bei kleinen Vorspielen im Rahmen von Veranstaltungen stimmen auch die Zuhörenden ein, erinnern sich an Liedtexte und lächeln. Eine besondere Atmosphäre breitet sich dann im ganzen Haus aus.

Nachhaltigkeit sichern

Die Harfen stehen im Aktivierungsraum und werden auch in der Einzelbetreuung genutzt. Für das Betreuungsteam ist das Instrument eine wertvolle Ergänzung, die Ansprache, Aktivierung und emotionalen Ausdruck auf einfache Weise verbindet. „Musik ist eine Sprache, die jeder versteht“, erklärt Brigitte Inegbedion. „Unsere Bewohner:innen erleben dadurch Teilhabe, Kreativität und Freude – und können anderen etwas schenken.“

Ursprünglich auf ein Jahr begrenzt, hat sich das Projekt längst als fester Bestandteil des Hauses etabliert. Das Seniorenzentrum möchte es unbedingt fortführen, denn die Begeisterung der Teilnehmenden zeigt, wie sehr die Harfen den Alltag bereichern. Für ähnliche Projekte empfiehlt sich, zunächst die Bedürfnisse der Bewohner:innen zu erkennen, das Vorhaben klar zu definieren, Sponsoren zu gewinnen und fachliche Unterstützung zu sichern. Wichtig sind auch sichtbare Ergebnisse wie Aufführungen sowie eine langfristige Finanzierungsplanung.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Ideen für musikalische Angebote finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

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