Angebotsplanung
Junge Pflegebedürftige: Selbstständigkeit statt Seniorenalltag
Pflegeeinrichtungen entwickeln zunehmend spezielle Konzepte für Menschen zwischen 18 und 65 Jahren. Diese zielen auf mehr Selbstständigkeit, altersgerechte Therapieangebote und soziale Kontakte zu Gleichaltrigen.
Jüngere Pflegebedürftige brauchen eigene Räume
Für jüngere Menschen mit Pflegebedarf gibt es bislang kaum spezialisierte Angebote. Das CMS-Pflegewohnstift Laurensberg bei Aachen geht neue Wege und schafft einen eigenen Wohnbereich für Menschen zwischen 18 und 65 Jahren mit neurologischen Erkrankungen. „Unser Anliegen ist es auch, Gleichaltrige zusammenzubringen, weil die ja auch ähnliche Interessen haben“, erklärt Natascha Pütz, Ergotherapeutin und Leitung der Sozialen Betreuung im Beitrag von Anna Kiefer in der Wochenzeitung CareKonkret (2/2026). Der Bedarf ist groß, denn nach Schlaganfällen, Unfällen oder bei anderen neurologischen Erkrankungen stehen jüngere Menschen oft vor der Frage: „Wo sollen jüngere Menschen denn auch hin, wenn so ein Schicksalsschlag eintritt und zuhause leben keine Option mehr ist?“
Therapiekonzepte mit Fokus auf Selbstständigkeit
„Ziel des Konzepts ist die Selbstständigkeit“, betont Pütz. Statt klassischer Betreuungsangebote wie Volksliederkreis oder Sitzgymnastik stehen hier Jam-Sessions und Gym-Fit auf dem Programm. Das Herzstück des neuen Wohnbereichs ist ein moderner Ergotherapieraum mit Bobath-Liege, Therapiespiegel und zeitgemäßer Einrichtung. Hier werden Hirnleistungstraining, sensorisches Training und computergestützte Therapieprogramme angeboten. Die Einrichtung beschäftigt bereits zwei Ergotherapeutinnen und plant, das Team weiter auszubauen. Auch Kooperationen mit externen Praxen sind vorgesehen.
Die Therapieziele orientieren sich an konkreten Alltagsbedürfnissen: „Wenn etwa jemand den Wunsch hat, die Toilette wieder ohne Hilfe benutzen zu können, können wir das hier gezielt üben“, erklärt Pütz. Die Angebote richten sich an Menschen mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen wie Polyneuropathien, zerebralen Lähmungen oder Verletzungen nach Unfällen.
Wohnumfeld für mehr Lebensqualität
Die räumliche Gestaltung spielt eine zentrale Rolle im Konzept. Die 20 Einzelzimmer wurden speziell für die Bedürfnisse jüngerer Bewohner:innen renoviert. Eine zentrale Wohnküche mit verlängerter Arbeitsplatte ermöglicht auch Rollstuhlfahrer:innen das selbstständige oder unterstützte Zubereiten von Mahlzeiten. Für gemeinsame Aktivitäten wurde eine Terrasse angelegt, die für Grillfeste und andere soziale Anlässe genutzt werden kann.
Um eine möglichst homogene Gruppe zu bilden, konzentriert sich die Einrichtung zunächst auf die Altersgruppe ab 40 Jahren. „Damit es am Anfang einfacher ist, wollen wir uns zunächst auf die Altersgruppe ab 40 konzentrieren“, erklärt Pütz. „Das heißt nicht, dass wir 18-Jährige ablehnen, da finden wir dann schon eine Lösung.“ Der Kontakt zwischen den jüngeren und älteren Bewohner:innen ist im gemeinsamen Bistro möglich, während die Wohnbereiche getrennt bleiben.
Die Umstellung des Wohnbereichs erfolgt schrittweise, um keine Unruhe zu verursachen. Das Team hat vier Monate lang an dem neuen Pflege- und Therapiekonzept gearbeitet und alle internen Bereiche einbezogen. Mit diesem innovativen Ansatz schafft die Einrichtung eine wichtige Alternative für eine bislang oft übersehene Gruppe von Pflegebedürftigen.
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