Angebotsplanung
Wie ein Programm für mehr Fitness und Selbstständigkeit sorgt
In der K&S Seniorenresidenz Eilenburg wird digitale Innovation zur gelebten Pflegepraxis: Mit dem Programm DigiCare trainieren zehn Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig ihre Beweglichkeit – individuell angepasst und alltagsnah. Und plötzlich machen auch die Mitarbeitenden mehr Sport!
Es gehe vor allem darum, die noch vorhandene Mobilität zu erhalten und den Abbauprozess im Alter zu verlangsamen, sagt Kathleen Krieg, Residenzleiterin der K&S Seniorenresidenz in Eilenburg. Gemeinsam mit Maria Cangemi, Ergotherapeutin und Projektverantwortliche für DigiCare, hat sie das Programm im Herbst 2024 in der Einrichtung eingeführt. Seitdem trainieren zehn Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig mit Unterstützung eines digitalen Systems, das individuelle Übungspläne erstellt – angepasst an die Fähigkeiten der Teilnehmenden.
Zielgruppe und Eingangstests
Zielgruppe sind Menschen mit grundlegender Bewegungsfähigkeit und ausreichend kognitiven Ressourcen, um verbale Anleitungen und Videosequenzen zu verstehen. Bevor das Programm für einen Bewohner oder eine Bewohnerin überhaupt beginnen kann, erfasst ein detailliertes Screening körperliche und alltagspraktische Fähigkeiten wie Lagewechsel, Stehvermögen und Gehgeschwindigkeit. Daraus generiert das System passende Übungseinheiten, die von geschultem Personal begleitet werden.
Auswahl der Teilnehmenden und Organisation des Trainings
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgt in enger Abstimmung mit den Wohnbereichsleitungen. So wird sichergestellt, dass die Übungen sinnvoll und sicher umsetzbar sind. Insgesamt sind drei Mitarbeitende pro Wohnbereich in das Projekt eingebunden, darunter Mitarbeitende aus der Pflege, Alltagsbegleiter und Mitarbeitende der sozialen Betreuung. Trainiert wird zweimal pro Woche – dienstags und freitags – jeweils rund 30 Minuten pro Person. „Wir wollten bewusst Zeit zur Regeneration lassen, denn unsere Bewohner sind keine Zwanzigjährigen mehr“, erklärt Cangemi.
Technischer Aufwand und Unterstützung
Technisch ist der Aufwand gering: Ein internetfähiges Tablet pro Wohnbereich reicht aus. Eine App stellt die Übungen bereit und führt durch die Einheiten. Kleinere technische Herausforderungen – etwa Probleme mit Passwörtern – konnten dank des zuverlässigen Supports schnell gelöst werden.
Positive Ergebnisse nach neun Monaten
Die Ergebnisse nach rund neun Monaten sind ermutigend. Bei einem Bewohner, der liegend gewaschen wird, ist der Lagewechsel inzwischen fast selbstständig möglich. „Das bedeutet nicht nur mehr Selbstständigkeit für den Bewohner, sondern auch eine Entlastung für die Pflegekräfte“, betont Cangemi. Auch bei anderen Teilnehmenden zeigen sich positive Effekte: gestärkter Rumpf, stabilerer Gang, verminderte Sturzgefahr. Für viele ältere Menschen kann das den Unterschied zwischen Eigenständigkeit und Pflegebedürftigkeit ausmachen.
Motivation und Mehrwert für Mitarbeitende
Aber nicht nur die Bewohner profitieren. Auch das Personal ist motiviert: „Die Mitarbeitenden machen oft selbst mit bei den Übungen – zur Unterstützung und als Zeichen von Solidarität“, berichtet Cangemi. Dabei werden sie selbst fitter. „Es ist eine Win-win-Situation.“
Förderung und Zukunftsperspektive des Projekts
Das Programm wird derzeit durch die Krankenkasse MKK gefördert. Obwohl in der Einrichtung keine Versicherten dieser Kasse leben, war eine Teilnahme möglich. Die monatliche Pauschale, die die Einrichtung selbst trägt, ist laut Krieg „überschaubar“. Die Residenzleitung hat sich bereits entschieden, DigiCare dauerhaft weiterzuführen und möglicherweise auch auf noch mehr Bewohnerinnen und Bewohner auszuweiten.
Grenzen des Angebots
Einschränkungen gibt es dennoch. Stark kognitiv oder körperlich eingeschränkte Bewohner – etwa Menschen mit fortgeschrittener Demenz oder ausgeprägter Immobilität – können leider nicht teilnehmen. „Das ist schade“, räumt Cangemi ein, „weil auch sie das Recht auf Bewegung und Teilhabe haben.“ Für diese Zielgruppe werden weiterhin andere Bewegungsangebote im Rahmen der sozialen Betreuung umgesetzt.
Digitalisierung mit Menschlichkeit im Pflegealltag
Insgesamt zeigt das Projekt DigiCare, wie digitale Lösungen dabei helfen können, Pflegealltag humaner, bewegungsfreundlicher und ressourcenschonender zu gestalten. „Es ist gut integrierbar – vorausgesetzt, man hat das nötige Personal und klare Strukturen“, fasst Krieg zusammen. Ein flächendeckender Einsatz sei zwar nicht ohne Weiteres möglich, aber als gezieltes Zusatzangebot sei DigiCare eine wertvolle Ergänzung im Pflegealltag. Und vor allem: ein sichtbares Zeichen dafür, wie Digitalisierung mit Augenmaß und Menschlichkeit im Pflegealltag wirken kann.
(von Olga Sophie Ennulat)
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