Demenz
Studierendenprojekt „MEMENTOmobil“ der Universität Vechta weckt positive Erinnerungen
Sie schauen sich interessiert alte Kochbücher, Postkarten, Atlanten, Spiele oder Haushaltswaren an, teilen ihre Erinnerungen und genießen die gemeinsame Zeit. Sieben Bewohnerinnen und Bewohner der „pro vita Vechta“-Seniorenwohngemeinschaft sind der Einladung des Studierendenprojekts „MEMENTOmobil“ der Universität Vechta gefolgt und haben im Café Burrichter an einer partizipativen Ausstellung für Menschen mit und ohne Demenz teilgenommen.
Die Haltbarkeit von Backpulver und Rezepte sind gerade das Thema an einem Tisch; Sport und das Leben in Vechta an einem anderen. Er sei bereits vor rund 70 Jahren zur traditionsreichen Konditorei und Bäckerei Burrichter gegangen und habe dort Brot gekauft, erinnert sich einer der Senioren, um sich gleich darauf einer Landkarte zuzuwenden und einer Studierenden die Geschichte seiner damaligen Amerika-Reise zu berichten.
Was in einem Schulbuss begann, ist zu einer Wanderausstellung geworden
In den letzten Semestern ist das „MEMENTOmobil“ in einem gelben, ausgebauten Schulbus zu unterschiedlichen Alteneinrichtungen gefahren, um das Projekt direkt in den Pflegeeinrichtungen anzubieten. In diesem Semester ist daraus eine Wanderausstellung geworden – mit Erfolg. „Es ist toll, dass die Menschen ihre Erinnerungen direkt mit den entsprechenden Orten verknüpfen können“, ist sich „pro vita“-Gründer Reinhard Schwill sicher. Im Café Burrichter sind etliche Original-Einrichtungsstücke – auch von vor dessen Umzug in den 50er-Jahren in die Vechtaer Innenstadt – erhalten geblieben. Die Gefühle, die durch die Erinnerungen hervorgeholt würden, seien eine Bereicherung, ist sich die Leiterin der Senioren-WGs, Nicole Windhorst, sicher.
Ausstellung in fünf Semestern entwickelt und erprobt
Die Ausstellung basiert auf Studierendenarbeiten, die in einem multidisziplinären, anwendungsorientierten Seminars der Studienfächer Gerontologie und Designpädagogik der Universität Vechta entstanden sind. Menschen mit und ohne Demenz können sich durch entsprechende Impulse an diese Zeit und eventuell damit verbundene Fähigkeiten erinnern. Dabei sei das Projekt im Zeitraum von fünf Semestern entwickelt und erprobt worden, erklären die Seminarleiter Traugott Haas, Diplomdesigner, und Andrea Teti, Professor für Gerontologie (Alterswissenschaft) der Universität Vechta.
Studierende reisen gedanklich mit den Senior:innen in ihr Leben
Zwölf Studierende haben im vergangenen Semester die Ausstellung weiterentwickelt und zum Einsatz vorbereitet. Dass das Vorhaben wunderbar aufgeht, zeigte der Nachmittag. So erzählt Isabelle kleine Stüve, Studentin der Gerontologie: „Es ist schön zu sehen, dass unser Projekt es nun auch in die Praxis geschafft hat. Wir erleben gemeinsam mit den Besuchenden eine gedankliche Reise in die Leben, die mittels der Exponate nun nicht mehr nur Erzählungen, sondern lebhafte Geschichten sind, in die wir gemeinsam eintauchen. Das strahlende Lächeln eines Besuchers, während er mir von seiner Deutschland-Rundreise in seiner Ente – dem Citroen 2CV – berichtete, wird mir wohl nicht mehr aus dem Kopf gehen“. Auch den Teilnehmenden scheint es gefallen zu haben. So äußerte eine Seniorin: „Es war ein sehr schöner Nachmittag – Ich habe schon lange nicht mehr so herzhaft über die alten Geschichten gelacht“.
Um mehr Menschen eine Teilnahme zu ermöglichen, werden die Studierenden weitere Orte der Erinnerung mit der Ausstellung ansteuern.
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