Demenz
Projekt „Erinnerungs_reich“: Museen als Therapie
Eine Studie der TU Dresden zeigt: Regelmäßige Museumsbesuche verbessern die Lebensqualität von Menschen mit Demenz. Die Forschenden empfehlen, Kunst als Präventionsmaßnahme in die Regelversorgung aufzunehmen.
Museen als wirksame Prävention
Die Studie „Erinnerungs_reich“ der TU Dresden untersuchte drei Jahre lang, wie sich Museumsbesuche auf Demenzerkrankte auswirken. 102 Teilnehmende besuchten Museen – mit und ohne Führung. Das Ergebnis: Die Besuche verbesserten die Lebensqualität und seelische Gesundheit der Betroffenen spürbar.
„Die Ziele, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu erhöhen und die seelische Gesundheit zu verbessern, haben wir durch die Museumsbesuche erreicht. Die Kunstwerke ermöglichten es ihnen, an individuelle Erfahrungs- und Erinnerungswelten anzuknüpfen und so ins Gespräch kommen“, erklären die Studienleiter Dr. Karen Voigt und Dr. Michael Wächter.
Prävention statt Medikamente
Museen als Therapie? In anderen Ländern ist dieser Ansatz längst etabliert. „Das Museum of Modern Art in New York untersuchte bereits Anfang des Jahrtausends die Wirkung von Museen auf Demenzkranke. In Großbritannien können sich chronisch kranke Menschen den Museumsbesuch vom Hausarzt verschreiben lassen“, so Wächter.
Auch die Forschenden in Dresden empfehlen, Kunst als feste Maßnahme in der Betreuung von Menschen mit Demenz zu nutzen. „Eine Jahreskarte fürs Museum ist insbesondere mit Blick auf die Linderung depressiver Symptome bei Menschen mit Demenz offenbar jedoch deutlich wirksamer als Medikamente. Diese sind teuer, helfen aber laut aktuellen Studien Betroffenen nicht, ihre Lebensqualität zu verbessern“, sagt Voigt.
Wegweisende Ergebnisse für Deutschland
Das Projekt hatte nicht nur einen wissenschaftlichen, sondern auch einen praktischen Nutzen: „Zum einen haben wir in ganz Sachsen – sowohl in den kreisfreien Städten als auch in fast allen Landkreisen – 33 Museen demenzsensibel geschult und mit ihnen gemeinsam einen Leitfaden für Museumsbesuche von Menschen mit Demenz entwickeln können“, erläutert Voigt.
Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, betont die Bedeutung solcher Maßnahmen: „Angesichts hoher Kosten im Gesundheitswesen muss in Deutschland dringend mehr in Prävention und Gesundheitsförderung investiert werden. Als Hochschulmedizin Dresden können wir mit evidenzbasierten Untersuchungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten.“
Die Forschenden hoffen, dass die Ergebnisse dazu beitragen, dass Museumsbesuche als feste Präventionsmaßnahme in die Betreuung von Menschen mit Demenz aufgenommen werden.
Entwickelt wurden im Verlauf der Studie ein Schulungskonzept für Museumspersonal, Schulungsmaterialien und der auf dem Abschluss-Symposium vorgestellte öffentlich zugängliche Leitfaden zur Durchführung von demenzsensiblen Kunstvermittlungsangeboten in Museen.
Passend dazu zum Artemis-Projekt aus Frankfurt:Projekt untersucht Wirkung von Kunst bei Demenz
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