Demenz

Musik als Brücke: Chorarbeit für Menschen mit Demenz

Musik kann Demenzkranken helfen, ihre Lebensqualität zu erhalten. Der Chor Vergissmeinnicht der Alzheimer Gesellschaft Hamburg bietet ein inklusives Angebot, das Betroffenen und ihren Angehörigen neue Perspektiven eröffnet.

Senioren singen zusammen und unterhalten sich
Zwei weitere inklusive Chöre bietet die Alzheimer-Gesellschaft Hamburg zurzeit an. Bald soll ein vierter dazukommen Foto: Werner Krüper

Singen mit Bewegung und Struktur

Dreizehn Sängerinnen und ein Sänger stehen im Kreis und beginnen mit Aufwärmübungen: Gähnen, gurgeln, zischen und sanfte Körperklopfer. Chorleiterin Monika Röttger führt das Einsingen an, um Atem, Stimme und Körper der Teilnehmer zu aktivieren.

Auch während der Lieder wird Bewegung bewusst eingesetzt. „Die Stimme ist entlastet, man kann besser singen, wenn man sich bewegt“, erklärt die Therapeutin. Die Stimmung im Raum verändert sich durch die Dynamik spürbar. Die Liedtexte sind in großer Schrift auf DIN-A4-Blättern gedruckt, viele singen auswendig. Ein Drittel der Chormitglieder ist an Demenz erkrankt, doch das Singen verbindet alle.

Inklusives Miteinander im Chor

Der Chor Vergissmeinnicht probt zweimal im Monat im Kulturschloss Wandsbek. Die Stimmen klingen kraftvoll, getragen von bewusster Körperarbeit. Manche Sängerinnen und Sänger wechseln während der Probe ihre Position, liebevoll unterstützt von den anderen Mitgliedern.

Chorleiterin Monika Röttger ging ohne Erfahrung mit Demenzkranken in die erste Probe und war erstaunt, wie lernfähig die Gruppe ist. „Das Klischee, dass nur alte Volkslieder funktionieren, wollte ich überprüfen. Ganz schnell war klar: Auch neue Lieder können gelernt werden“, berichtet sie.

Chorproben als wichtiger Anker im Alltag

Neben traditionellen Liedern stehen auch afrikanische und neuseeländische Stücke auf dem Programm. 90 Minuten lang konzentrieren sich die Mitglieder auf Töne, Rhythmus und Text. Das Abschlusslied wird tanzend durch den Raum gesungen.

Für viele ist der Chor ein zentraler Bestandteil ihres Alltags. Sängerin Antje sagt: „Es macht mir Freude und hellt meine Stimmung auf.“ Chorleiterin Monika Röttger ergänzt: „Humor und Tragik liegen hier nah beieinander. Wir erleben, wie sich die Krankheit entwickelt und manchmal auch Abschiede dazugehören. Das macht diese Arbeit besonders und wertvoll.“

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