Biografiearbeit

Gendergerecht aktivieren – Identität stärken

Auch im Alter stiften die Kategorien Mann/Frau Identität. Daher kommt der gendergerechten Betreuung eine wichtige Rolle zu.

Senior am Kicker
Männer mögen Fußball, und Frauen stricken gern? Nutzen Sie Geschlechterstereotypen, um biografisch ins Gespräch zu kommen. Foto: Werner Krüper

Häufig sind im Alter Geschlechtergrenzen nicht mehr klar, insbesondere bei einem alternden Körper. „Nichtsdestotrotz gehören Kategorien wie Mann/Frau oder – heutzutage auch nicht-binär, trans oder ähnliches – zu unseren wichtigsten Identitätsattributen“, weiß Betreuungsexpertin Sabine Richartz. Auch im Alter ist die Kategorie Mann/Frau ein identitätsstärkendes Attribut und sollte laut Richartz – insbesondere im Zuge einer demenziellen Veränderung und dem damit verbundenen Schwinden der Identität – besondere Berücksichtigung im Pflegealltag erhalten.

Geschlechtsidentität im Alter und bei demenziell veränderten Menschen im Alltag stärken

Einen großen Teil an Förderung der Geschlechtsidentität erfolgt bereits mit der ersten Pflegehandlung am Morgen. Welche Kleidung wird angezogen? Wird der Dame Schmuck angelegt, wird sie gar geschminkt oder frisiert? Aber auch in der Betreuungsarbeit können wir einiges leisten, um die Bewohner daran zu erinnern, welchem Geschlecht sie angehören, schreibt die Seminarleiterin im Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren: „Zum einen ist es unerlässlich, die Bewohner mit „Herr“ oder „Frau“ anzusprechen.“ Ein höflicher Umgangston, der zudem an die Geschlechtszugehörigkeit erinnere, sei eine schon fast nebensächliche Alltagshandlung, dennoch nicht immer Standard.

Auch wenn wir ein anderes Verständnis von Mann sein/Frau sein haben, so ist es laut Richartz doch hilfreich zu akzeptieren, dass unsere Betreuten in der Regel in ihrer Geschlechtsidentität klassisch sozialisiert und erzogen worden sind und der klassischen Rollenverteilung einen hohen Stellenwert geben.

Mit geschlechtsspezifischen Aktivitäten wie Kochen, Backen oder Handarbeiten für die Damen und Kegeln, Werken oder dem Männerstammtisch für die Herren schaffen wir ihrer Erfahrung nach ein Gemeinschaftsgefühl untereinander. „Zudem können wir über bestimmte Geschlechterstereotypen direkt in Kontakt treten und ein anregendes Gespräch führen“, so Richartz.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. Weitere Ideen für die gendergerechte Beschäftigung und mehr finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.