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Depression: Auch sehr alte Menschen haben gute Heilungschancen
Ältere Menschen können sich selbst im hohen Alter vollständig von einer Depression erholen. Demenz und Depressionen zählen zu den beiden häufigsten mentalen Erkrankungen bei älteren Menschen. Die Unterscheidung zwischen beiden Krankheitsbildern kann zu Beginn schwierig sein.
Depressionen im Alter sind gut behandelbar, doch bei der Therapie ist Eile geboten. „Je früher sie erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden“, erklärt Vjera Holthoff-Detto, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Gerade bei älteren Menschen sei der Zeitfaktor kritisch: „Jeder Monat Depression schröpft die körperlichen und mentalen Reserven. Die sind bei Älteren beschränkter.“
Laut der Professorin zählen Demenz und Depressionen zu den beiden häufigsten mentalen Erkrankungen bei älteren Menschen. Die Unterscheidung zwischen beiden Krankheitsbildern kann zu Beginn schwierig sein, da bei Altersdepressionen häufig kognitive Störungen hinzukommen. „Bei bis dahin gesunden Menschen können sich Aufmerksamkeitsstörungen und Gedächtnisstörungen einstellen. Auch aktuelle Erinnerungen sind mitunter schwer zugänglich“, so Holthoff-Detto. Bestimmte Gehirnareale seien weniger aktivierbar, was zu einer Antriebsschwäche führen könne.
Schleichende Entwicklung erschwert Erkennung
Die Diagnose einer Altersdepression stellt Betroffene und Angehörige vor besondere Herausforderungen. Nach den Worten der Expertin ist es für Betroffene mitunter schwierig, Anzeichen richtig zu deuten. Selbst Angehörige würden manchmal davon ausgehen, dass bestimmte Veränderungen zum normalen Alterungsprozess gehören.
„Eine Depression entwickelt sich langsam, schleichend. Erkrankte können keine Freude mehr an ihrem Leben empfinden, sind niedergeschlagen. Alles fällt ihnen schwer“, beschreibt Holthoff-Detto die typischen Symptome. Meist merke die Familie erst dann, dass der oder die Betreffende früher ganz anders war. Die Wissenschaftlerin, die seit vielen Jahren zu Depressionen und Demenz forscht, betont: „Depressionen sind eine Volkskrankheit, im Alter eben auch.“ Im Alter nähmen Depressionen sogar latent zu.
Übergangsphasen als Risikofaktor
Besonders anfällig für Depressionen sind Menschen in sogenannten Transitionsphasen. „Das sind Übergangsphasen, die auf mehreren Ebenen Veränderungsprozesse erfordern, etwa die Pubertät, die Hochzeit oder das erste Kind“, erläutert die Psychiaterin. Auch der Eintritt ins Rentenalter zähle dazu. Die Psychiatrie spreche von einer Schwellensituation, die den ganzen Menschen fordere – seine Psyche genauso wie seine Biologie.
Um gesünder alt zu werden, gelte es auf bestimmte Faktoren zu achten. „Besonders wichtig sind soziale Kontakte. Man sollte aber auch kognitiv angeregt bleiben und sich gesund ernähren“, rät Holthoff-Detto. Wichtig sei es, in einen neuen Lebensabschnitt nicht einfach hineinzuschlittern, sondern sich darauf vorzubereiten.
Behandlung auch im hohen Alter erfolgreich
Die heutige Generation älterer Menschen sieht die Expertin gut gerüstet. „Viele von ihnen sind modern, haben ein Handy und kommunizieren mit ihren Enkeln auf Facebook oder anderswo.“ Deshalb sei es wichtig, Veränderungen in ihrem Verhalten nicht als normalen Alterungsprozess wahrzunehmen, sondern eine mögliche Depression in Betracht zu ziehen.
„Selbst Menschen im hohen Alter können sich wieder komplett von einer solchen Erkrankung erholen und Energie entfalten, wenn sie professionell behandelt werden“, betont Holthoff-Detto. Sie erinnert sich an den Fall einer Frau von knapp 90 Jahren, die ihrem Leben ein Ende setzen wollte, weil sie sich nutzlos fühlte und ihrer Familie nicht zur Last fallen wollte. Dabei wäre sie noch acht Wochen zuvor ganz anders gewesen, habe Zeitung gelesen, sei ins Konzert gegangen und habe eine Weltreise für ihren Enkel mitorganisiert. „Sie wurde gerettet, weil der Enkel sie besuchen kam und einen Wohnungsschlüssel hatte. Wir haben sie mit Antidepressiva behandelt. Sie hat sich nachher sehr auf zuhause gefreut.“
Professionelle Behandlung statt „Aussitzen“
Der Schweregrad einer Depression richtet sich laut Holthoff-Detto nach der Anzahl der Symptome. Die Erkrankung werde in leicht, mittelschwer und schwer eingeteilt. Eine Depression einfach „auszusitzen“ sei selbst in einem leichten Fall nicht ratsam. „Sie mag von allein wieder weggehen, aber zu einem hohen Preis. Denn selbst junge Menschen verbrauchen dabei viele Ressourcen.“
Ab einem bestimmten Stadium sei eine medikamentöse Behandlung unverzichtbar – in Kombination mit psychotherapeutischer und psychosozialer Begleitung. Die Wissenschaftlerin findet es hilfreich, dass der frühere Trigema-Chef Wolfgang Grupp seine Altersdepression öffentlich machte und so zur Sensibilisierung für dieses Thema beitrug. Grupp sei ein Beispiel dafür, dass Depression jeden treffen kann – auch erfolgreiche Menschen ohne finanzielle Sorgen und mit familiärem Rückhalt.
„Depression ist eine sehr gut behandelbare Krankheit“, fasst Holthoff-Detto zusammen. Entscheidend sei, Symptome frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.
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