Demenz

Demenz: Nicht die Erkrankung selbst führt zum Tod

Von 1,01 Millionen Todesfällen in Deutschland 2024 betrafen 62.000 Menschen mit Demenzerkrankung. Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative informiert: Die meisten dieser Menschen sterben nicht an der Demenz selbst, sondern an Begleit- und Folgeerkrankungen.

Palliativ, Foto: Werner Krüper
Studie zeigt: Menschen mit Demenz sterben meist an Begleiterkrankungen wie Lungenentzündung und Infektionen. Foto: Werner Krüper

Infektionen als häufigste Todesursachen

Im Endstadium einer Demenz sind Körper und Geist deutlich geschwächt. Viele Betroffene werden bettlägerig und anfälliger für Infektionen. Die häufigste Todesursache bei Menschen mit fortgeschrittener Demenz ist die Lungenentzündung. Etwa die Hälfte aller Betroffenen entwickelt in den letzten beiden Lebenswochen eine solche Pneumonie. Die Ursachen können vielfältig sein: Neben klassischen Infektionen spielen vor allem Schluckstörungen eine wichtige Rolle. Wenn Speichel, Nahrung oder Flüssigkeiten in die Luftröhre gelangen, kann sich eine Entzündung entwickeln.

Auch Harnwegsinfekte stellen eine ernste Gefahr dar. Bei Menschen mit Demenz treten komplizierte Harnwegsinfekte überdurchschnittlich häufig auf. Da die Erkrankten ihre Beschwerden oft nicht deuten oder mitteilen können, bleibt eine eigentlich gut behandelbare Infektion manchmal unentdeckt. In der Folge kann sich eine Sepsis entwickeln, die fast immer tödlich endet.

Weitere Risikofaktoren im Krankheitsverlauf

Chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck können, besonders wenn sie nicht engmaschig ärztlich überwacht werden, zu Gefäß- und Organschäden führen. Die Folgen können Schlaganfälle oder Herzinfarkte sein, die bei bereits geschwächten Personen besonders schwerwiegend verlaufen.

Auch Virusinfektionen stellen eine erhebliche Gefahr dar. Die bei Demenz geschwächte Immunabwehr begünstigt schwere Verläufe bei Grippe oder Corona, die den Körper zusätzlich stark belasten können. Bereits in frühen Krankheitsphasen lassen zudem Kraft, Muskelstärke und räumliche Orientierung nach, was das Sturzrisiko deutlich erhöht. Muss jemand nach einem Sturz operiert werden oder längere Zeit im Krankenhaus verbringen, kann dies den Körper zusätzlich stark belasten.

Nahrungsverweigerung als Teil des Sterbeprozesses

Gegen Ende des Lebens nehmen viele Menschen mit Demenz nur noch wenig Nahrung oder Flüssigkeit zu sich. Häufig fällt das Schlucken schwer, Nahrung bleibt im Mund liegen oder wird verweigert. Für Angehörige ist dies oft schwer zu akzeptieren, doch es bedeutet nicht, dass die Person verhungert oder verdurstet. Vielmehr handelt es sich um einen natürlichen Teil des Sterbeprozesses, der auch bei Menschen ohne Demenz häufig zu beobachten ist. Der Körper fährt seine Funktionen langsam herunter und benötigt weniger Energie.

Für Pflege- und Betreuungskräfte ist es wichtig zu wissen, dass diese Veränderungen normal sind und nicht zwangsläufig mit künstlicher Ernährung oder Flüssigkeitszufuhr beantwortet werden müssen. Stattdessen steht die Linderung von Beschwerden im Vordergrund.

Palliativversorgung und Schmerzbehandlung

In fortgeschrittenen Phasen können Menschen mit Demenz ihre Beschwerden nur noch schwer mitteilen. Schmerzen äußern sich dann oft durch Unruhe, Aggression, Stöhnen oder Jammern. Für Fachkräfte und Angehörige ist es wichtig, besonders aufmerksam zu sein und solche Signale richtig zu deuten, damit Schmerzen oder Infektionen frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden können.

Seit Februar 2025 wird die Linderung von Schmerzen am Lebensende in den Leitlinien zur Behandlung von Menschen mit Demenzerkrankungen explizit empfohlen. Der Beginn einer solchen Palliativversorgung ist individuell verschieden, doch eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht es, die Wünsche der erkrankten Person zu berücksichtigen und in die Betreuung einzubeziehen.

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