Demenz
Betreuungskonzept hat Bewohnerbedürfnisse im Blick
Drei Tagesstrukturen, Milieugestaltung und Qualifizierung sind die zentralen Bausteine mit denen Doris König-Jörke personenzentrierte Betreuung aufbaut. Im Interview mit der Redakton in der aktuellen Ausgabe von Aktivieren erläutert sie ihren Ansatz.
Aktivieren: Frau König-Jörke, seit 2003 sind Sie in der Altenhilfe mit dem Schwerpunkt Soziale Betreuung und als Demenzexpertin aktiv. Sie setzen dabei ein besonderes Betreuungskonzept um – mit dem Anspruch, jede Bewohnerin und jeden Bewohner im Blick zu haben. Dieses Konzept haben Sie über viele Jahre entwickelt und aktuell in enger Zusammenarbeit mit dem Pflegedienstleiter Thomas Jagla und seinem Team im Seniorenzentrum Waldkappel implementiert. Worum geht es dabei genau?
Doris König-Jörke: Es handelt sich um ein Kommunikationsmodell. Es ermöglicht die Verständigung im Team, um den Bedarf der Bewohnerinnen und Bewohner wahrzunehmen und zu verstehen. So kann das Team dementsprechend eine passende Maßnahme personenzentriert erarbeiten.
Farben stehen für unterschiedliche Bedürfnisse
Aktivieren: Eine Aufgliederung in drei Tagesstrukturen, denen Sie die Bewohner:innen zuordnen – analog zu einer Ampel – spielt in Ihrem Modell eine zentrale Rolle. Inwiefern?
König-Jörke: Stellen Sie sich eine Ampel vor: Grün steht für „freie Fahrt“. Abgeleitet davon ist der Bedarf der orientierten Personen beziehungsweise deren Anforderungen. Dazu gehören Selbstbestimmung, wie etwa Wahlmöglichkeiten zu bekommen. Das kann heißen, mitzugestalten, wie ein kultureller Abend aussehen soll, welche Themen in Gesprächsrunden vorkommen, bei Festen und Veranstaltungen, das Mitgestalten der gemeinsamen Wohn- und Esszimmer. Die Bewohner:innen bestimmen mit, wie die Dekoration aussehen soll. Daraus kann sogar eine Bastelrunde entstehen.
Aktivieren: Und Gelb und Rot stehen dann für nicht mehr so gut orientierte Bewohner:innen?
König-Jörke: Genau. Gelb steht für „Achtung – hier ist ein erhöhter Bedarf an Pflege und Betreuung aufgrund von leichten bis mittleren demenziellen Veränderungen. Die Farbe Gelb oder auch die gelbe Tagesstruktur zeigt im Konzept den Pflege- und Betreuungskräften, dass Senior:innen einen Bedarf an Sicherheit und Struktur benötigen. Sie brauchen Präsenz und Nähe von Mitarbeitenden. Sie brauchen das Gefühl, gehört und gesehen zu werden. Sie brauchen Hilfestellung, zeitlich und örtlich. Sie brauchen demenzgerechte Beschäftigung, zum Beispiel biografiebezogene Aktivitäten, 10-Minuten-Aktierung und ähnliches.
Rot steht für ein Warnsignal, ein Warnzeichen. Hier besteht besonders hoher Bedarf an Pflege und Betreuung aufgrund einer schweren demenziellen Veränderung. Diese Menschen haben einen Bedarf, „alles in Ruhe“ zu tun, mit viel Zeit. Sie brauchen Ansprache, ein Wohlgefühl über die Aktivierung der Sinne und eine Wohlfühlatmosphäre, ebenso wie ein geschütztes Milieu ohne Reizüberflutung und Überforderung.
Personal zu sparen ist nicht das Ziel
Aktivieren: Welche organisatorischen Maßnahmen leiten Sie aus dem Ampelmodell ab? Wie personalintensiv ist es im Vergleich zu klassischen Betreuungsstrukturen?
König-Jörke: Das Modell spart keine Mitarbeitenden. Das ist auch nicht das Ziel. Es steigert aber die Qualität in der Betreuung und schafft durch strukturierte Betreuungszeiten auch eine gewisse Zufriedenheit für die Betreuungskräfte. Die Maßnahmen der Aktivierung und Betreuung selbst sind durch die Tagesstrukturen leichter zu planen. Betreuungskräfte sind sensibler dafür, welche Angebote jeweils passend sind. In einem größeren Haus könnte sogar eine Tourenplanung für die Betreuung implementiert werden.
Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Aktivieren. (Betreuung nach dem Ampelmodell – ein Praxisgespräch, 30.5.)
Außerdem können Sie Doris König-Jörke im Videogespräch zum Ampelmodell erleben.
Weitere Ideen für die Betreuung mit allen Sinnen finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.
Passend dazu ein Konzept aus Schleswig-Holstein, das auf die Expertise der Betreuung setzt: Betreuung weiter aufgewertet
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