Demenz

Studie zu Schlafstörungen bei Menschen mit Demenz ausgezeichnet

Eine Studie am Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln hat den Theo und Friedl Schöller-Preis 2024 erhalten. Im Rahmen des Kölner Projekts konnten Schlafprobleme von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen reduziert werden.

Schwungtuch über dem Bett
Das Schlafmilieu ist für die Qualität des Schlafes mit entscheidend - wie Wissenschaftler herausgefunden haben. Foto: Werner Krüper

Studie zu Schlafstörungen bei Menschen mit Demenz ausgezeichnet: Menschen mit Demenz leiden häufig an Schlafproblemen, jeder fünfte Mensch mit Demenz in einer stationären Langzeitpflegeeinrichtung ist betroffen. Weitere Gesundheitsprobleme sind oft die Folge. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen, dass es derzeit keine wirksamen Medikamente zur Verringerung von Schlafproblemen bei Menschen mit Demenz gibt.

Schlafförderung ohne Medikamente

Die in Nürnberg ausgezeichnete, standortübergreifende Studie unter Leitung des Kölner Instituts für Pflegewissenschaft zielte darauf ab, eine neu entwickelte, komplexe nicht-pharmakologische Intervention zur Schlafförderung zur Vermeidung beziehungsweise Reduktion von Schlafproblemen von Menschen mit Demenz in der stationären Langzeitpflege hinsichtlich ihrer Effekte zu untersuchen.

Psychopharmaka oft unwirksam

Im Verlauf einer Demenz sind Ein- und Durchschlafprobleme und nächtliche Unruhe ein häufiges Symptom. Das Zeitgefühl der Betroffenen kann gestört sein, sodass sich ihr Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt. Aber auch Medikamente, Ängste, der typische Bewegungsdrang oder schlafhemmende Routinen in den Einrichtungen können bewirken, dass die Menschen schlecht schlafen. Schlafförderung hat für die Pflege und Versorgung von Menschen mit Demenz somit einen hohen Stellenwert. „Häufig werden Medikamente wie Schlafmittel und Psychopharmaka eingesetzt, die jedoch größtenteils unwirksam, ja sogar schädlich sind. Darum braucht es dringend Maßnahmen, die direkt bei den Bedürfnissen der Menschen mit Demenz ansetzen und schlaffördernde Konzepte in den Einrichtungen selbst schaffen“, erklärt Dr. Martin Dichter, der Erstautor der Studie.

Projekts MoNoPol-Sleep: Zusammenschluss von Forschenden

Die Untersuchung fand im Rahmen des Projekts MoNoPol-Sleep (Nicht-pharmakologische Schlafförderung von Menschen mit Demenz in der stationären Langzeitpflege) statt, das von 2018 bis 2022 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. MoNoPol-Sleep ist ein Zusammenschluss von Forschenden der Universität zu Köln, der Universität zu Lübeck, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen.

Anteil der Menschen mit Demenz mit Schlafproblemen sank um 25 Prozent

Die Wirksamkeit des entwickelten Konzepts wurde in einer randomisierten kontrollierten Untersuchung belegt: 24 teilnehmende Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt wurden per Zufall zwei verschiedenen Gruppen zugeteilt. Bei einer Gruppe kam ein gezieltes Interventionsprogramm zum Einsatz. Es umfasst eine Analyse des Schlafmilieus in jeder Einrichtung, die Einführung sogenannter Schlafbeauftragter sowie Schulungs- und Informationsmaterial. In Workshops konnten die Pflegenden Fälle besprechen und ein zu ihnen Einrichtungen passendes Konzept zur Schlafförderung entwickeln. Die Vergleichsgruppe erhielt keine Maßnahmen. Insgesamt nahmen 191 Menschen mit Demenz an der Studie teil.

Maßnahmen verbessern Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden

Die Gruppe mit dem Maßnahmenpaket zeigte nach vier Monaten erheblich weniger Schlafprobleme. Pflegewissenschaftler Martin Dichter fasst zusammen: „Durch unser Programm reduzierte sich der Anteil an Menschen mit Schlafproblemen um etwa 25 Prozent. Der bessere Schlaf wirkte sich im Verlauf auch positiv auf die Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen mit Demenz aus.“ Das Konzept der Studie, auch als „MoNoPoL-Sleep Intervention“ bekannt, soll nun in einer Folgestudie weiterentwickelt und an einer größeren Stichprobe weiter untersucht werden.

Über den Preis

Der Theo und Friedl Schöller-Preis wird seit 2013 jährlich vom Klinikum Nürnberg ausgeschrieben, um gemeinsam mit der Theo und Friedl Schöller-Stiftung Forschungsarbeiten auszuzeichnen, die eine gute Versorgung älterer Menschen konstruktiv untersuchen. Mit dem Preisgeld von 20.000 Euro ist die Auszeichnung die am höchsten dotierte auf dem Gebiet der Altersmedizin in Deutschland. In diesem Jahr wurde neben dem Kölner Projekt ein weiteres Projekt des Universitätsklinikums Marien Hospital Herne ausgezeichnet.