Demenz

Demenzprojekt: Evidenzbasiert und praxisnah versorgen

Das Netzwerk Soziales neu gestalten hat in Kooperation mit dem Alters-Institut das Projekt LIFE ins Leben gerufen.

Seniorin im Porträt
Foto: Werner Krüper

Von Bodo de Vries

In einer neuen Initiative zur Verbesserung der Pflege von Menschen mit Demenz hat das Netzwerk Soziales neu gestalten (SONG) in Kooperation mit dem Alters-Institut das Projekt LIFE ins Leben gerufen. Das Akronym LIFE steht dabei für „Lebensqualität durch integrative Forschung und evidenzbasierte Entwicklung von Assessments für Menschen mit Demenz in der Langzeitpflege“. Der Startschuss fiel am 14. und 15. März 2024 in Köln mit einem umfangreichen Programm und Fachbeiträgen, darunter ein Vortrag von Prof. Margareta Halek (Universität Witten) zum aktuellen Forschungsstand im Bereich „Lebensqualität und Demenz“.

Das LIFE-Projekt zielt darauf ab, durch die Entwicklung und Anwendung wissenschaftlich fundierter und zugleich praxisnaher Instrumente die Betreuung von Menschen mit Demenz in Langzeitpflegeeinrichtungen grundlegend zu verbessern. Mitarbeitende in den teilnehmenden Einrichtungen werden in einem Umsetzungsteam den Ist-Zustand der Betreuungsqualität mit Hilfe des im Projekt entwickelten Assessments erfassen und darauf aufbauend Maßnahmen zur Steigerung der Lebensqualität entwickeln. Auch ein Handlungsleitfaden für die Assessments wird bereitgestellt, deren Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit einem Projektteam der SONG-Mitglieder erfolgt.

Und genau hier liegt auch der innovative Ansatz des Projektes. Expertinnen und Experten verschiedener Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege arbeiten im Netzwerk SONG mit wissenschaftlichen Instituten zusammen, um sowohl ein wissenschaftlich akzeptiertes als auch praxistaugliches Gesamtkonzept zu entwickeln. Geplant ist, den Ist-Zustand in etwa 35 teilnehmenden Einrichtungen der stationären Altenhilfe zu erfassen und abzuleitende Maßnahmen gemeinsam mit den Einrichtungen durch ein kollegiales Coaching vor Ort zu entwickeln. Dabei stehen Aspekte zur Lebensqualität in sieben zentralen Alltagsbereichen im Vordergrund – von Autonomie und Selbstbestimmung über Pflege und Wohnen bis hin zu sozialer Interaktion und Kommunikation.

Spezialisierte Fachkräfte

Ein zentraler Bestandteil des Projekts LIFE bilden dabei die sogenannten Assessment- und Implementierungsbeauftragten. Diese spezialisierten Fachkräfte sind für die Entwicklung, Anpassung und den Einsatz der Assessments in den teilnehmenden Einrichtungen verantwortlich. Ihre Aufgabe beginnt mit der gemeinsamen Erarbeitung der Instrumente in einem interdisziplinären Projektteam. Nach der Entwicklung liegt die weitere Verantwortung der Beauftragten in der Implementierung der Werkzeuge in den Alltag der Einrichtungen. Sie führen Schulungen für das Pflegepersonal durch, um eine korrekte Anwendung der Instrumente sicherzustellen, und unterstützen die Mitarbeitenden vor Ort in der Interpretation der Ergebnisse.

Darüber hinaus begleiten sie die Einrichtungen kontinuierlich durch den Prozess der Datenerhebung, Analyse und der Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität. Die Assessment- und Implementierungsbeauftragten fungieren damit als Bindeglied zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der praktischen Anwendung in den Pflegeeinrichtungen. Durch ihre Arbeit tragen sie dazu bei, dass die Zielsetzungen von LIFE nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern in konkrete, messbare Verbesserungen in der Betreuung von Menschen mit Demenz münden. Ebenfalls eine besondere Rolle im Projekt spielen das Alters-Institut und das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) als Mitglieder im Netzwerk SONG, die das Projekt wissenschaftlich unterstützen. Ihre Expertise gewährleistet, dass die entwickelten Assessments und Maßnahmen auf soliden wissenschaftlichen Grundlagen beruhen und zugleich in der Praxis anwendbar sind.

Austausch zwischen Theorie und Praxis

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Theorie und Praxis ist für den Erfolg des Projekts von besonderer Bedeutung: Die enge Zusammenarbeit mit dem Alters-Institut und die Nutzung der Schwarmintelligenz der SONG-Mitglieder ist beispielhaft für den interdisziplinären Austausch zwischen Theorie und Praxis, den es braucht, um echte Fortschritte in der Betreuung von Menschen mit Demenz zu erzielen. Gemeinsam wird so die Expertise aus verschiedenen Bereichen zusammengebracht. Die finanzielle Unterstützung durch die Wilhelm-Emanuel-Zach-Stiftung und die Beiträge der beteiligten Einrichtungen ermöglichen es, das Projekt LIFE mit der notwendigen Sorgfalt und Qualität umzusetzen.

Die Finanzierung von LIFE wird jeweils hälftig durch die Wilhelm-Emanuel-Zach-Stiftung (in Verwaltung der Bürgerstiftung Hannover) sowie durch Beiträge der beteiligten Einrichtungen finanziert. Insgesamt fließt so eine halbe Million Euro in die Entwicklung des Projektes.

LIFE steht exemplarisch für die Notwendigkeit, innovative Lösungsansätze in der Pflege zu erforschen und umzusetzen. Die Erwartungen an ­LIFE sind hoch. Es geht nicht nur darum, die direkte Betreuung und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu verbessern, sondern auch darum, Pflegekräfte zu befähigen, ihr Handeln auf der Grundlage von validierten Daten und fundierten Erkenntnissen zu reflektieren und ggf. zu verändern. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern, die Bereitschaft zur Innovation und die gemeinsame Vision, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern, bilden dabei das Fundament für den Erfolg von LIFE.


Der Autor ist Vorsitzender des Netzwerks SONG und Geschäftsführer des Alters-Instituts.