Biografiearbeit

Wie Biografiearbeit im Strukturmodell gelingt

Strukturierte Biografiearbeit geht weit über die Erfassung versorgungsrelevanter Erstinformationen hinaus. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess, der in die Maßnahmen- und Angebotsplanung hineinwirkt.

Bewohnerin und Mitarbeiterin betrachten Fotos
Biografien entwickeln sich weiter und verändern sich. Soziale Betreuung ermöglicht es pflegebedürftigen Menschen, neu zu justieren, was aktuell bedeutsam ist. Foto: Werner Krüper

Wie Biografiearbeit im Strukturmodell gelingt: Mit der Einführung des Strukturmodells zur Entbürokratisierung in der Pflegedokumentation ging die Biografiearbeit in vielen Einrichtungen verloren. Das hat Ergotherapeutin und Dozentin Bettina Greb-Kohlstedt schon oft erlebt. „Die Biografiearbeit wurde auf „pflegerelevante, biografische Informationen“ in der Strukturierten Informationssammlung (SIS) verbannt“, schreibt die Trainerin in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Aktivieren. Manche Einrichtungen haben sich dafür entschieden, trotz der Arbeit mit dem Strukturmodell, ihre Biografiebögen zu behalten oder abgewandelt weiterhin zu nutzen.

Strukturmodell und Biografiearbeit

In ihrem Beitrag geht die Expertin der Frage nach, wie im Strukturmodell eine sinnvoll angewendete Biografiearbeit gelingen kann. Zu einer strukturierten Biografiearbeit gehören demnach folgende sieben Punkte:

  1. In die SIS werden jene biografischen Informationen aufgenommen, die für die „ersten Tage“ der Versorgung unverzichtbar und bekannt sind.
  2. Die Zeit der „intensiven Beobachtung und Evaluation“ bis zum Integrationsgespräch wird genutzt, um vertiefende biografische Informationen mit Alltagsbezug zu erkennen! Wir sprechen hier von Ritualen, Gewohnheiten aber auch Unerwünschtem.
  3. Diese Rituale, Gewohnheiten, Vorlieben und Abneigungen können wir in den Maßnahmenplan (Qualitätsbereich 3.2) übernehmen. (Eine individuelle Tagesstruktur können Sie nur auf der Basis biografischer Informationen entwickeln).
  4. Das Integrationsgespräch (Qualitätsbereich 4) evaluiert gemeinsam mit dem Betroffenen, welche Rituale/Gewohnheiten und besonderen Wünsche bisher nicht erkannt wurden und bessert diese nach.
  5. Der Tagesbericht ermöglicht es dem Team, weiterhin neue, biografisch relevante Informationen in die Dokumentation einzupflegen und diese bei Bedarf in Maßnahmen umzuwandeln.
  6. Insbesondere Menschen, auf die die Risikogruppendefinition zutrifft, sind über die Maßen davon abhängig, dass ihre Umgebung diese biografischen Gegebenheiten kennt, beurteilt und angemessen in Maßnahmen umsetzt. Die gilt wieder insbesondere für Menschen mit psychischen Problemlagen.
  7. Zu guter Letzt taucht die Biografie dort auf, wo es gilt, die Bedürfnisse Sterbender zu kennen und zu berücksichtigen.

Wie Betreuende darüber hinaus die Biografiearbeit als lebendiges Instrument nutzen, steht in der aktuellen Aktivieren. Ideen für die Beschäftigung finden sich in der Ideendatenbank des Portals AktivierenPlus. Der Zugang ist mit dem Abonnement der Zeitschrift bereits im Preis integriert und nach einmaliger Registrierung unbegrenzt möglich.

Auch beim AktivierenPreis 2024 geht es in diesem Jahr um Biografiearbeit. Bis Monatsende Mai haben Betreuungsteams noch die Chance, sich zu bewerben!