Demenz
Robotertiere: Wenn Streicheln Stress lindert
Vertraute Berührungen lösen Oxytocin aus und können Stress bei demenziell Erkrankten senken. Erste Testprojekte in stationären Pflegeeinrichtungen mit dem KI-Robotertier Moflin von Casio liefern konkrete Praxishinweise.
Warum wirken Berührungen beruhigend bei Demenz?
Das Hormon Oxytocin, oft als „Bindungshormon“ bezeichnet, wird bei positiven sozialen Interaktionen, Berührungen und Gefühlen von Nähe ausgeschüttet und kann laut Studien Stress reduzieren, Angst senken sowie Vertrauen und emotionale Verbundenheit fördern. Gerade bei älteren Menschen mit beginnender Demenz vermitteln vertraute Gegenstände oder emotional besetzte Begleiter Orientierung, Sicherheit und Trost, so die Erkenntnisse aus der Pflegepraxis. Kuschelbare Objekte, therapeutische Puppen oder tierähnliche Begleiter tragen laut langjähriger Beobachtung dazu bei, Unruhe zu verringern, Gesprächsanlässe zu schaffen und Einsamkeit abzumildern.
Was berichten Pflegekräfte aus ersten Tests mit Robotertieren?
Laut Casio zeigen mehrwöchige Testprojekte in betreuten Senioren-WGs, im stationären Pflegebereich und im Hospiz, dass der KI-Begleiter Moflin mehrheitlich als positiv wahrgenommen wird. Pflegekräfte berichten demnach, dass Bewohner:innen häufiger lächeln, ruhiger schlafen und offener auf Mitmenschen zugehen. Ein zuvor wortkarger Bewohner habe wieder begonnen, sich an Gesprächen zu beteiligen. Das flauschige Robotertier sorge auf dem Schoß für Entspannung und stabilisiere Situationen, die sonst schwieriger zu bewältigen seien. Auch Angehörige und Pflegekräfte selbst reagierten mit Neugier und Gesprächsbereitschaft.
Wie unterscheidet sich ein KI-Begleiter von echten Tieren?
Das meerschweinchengroße Moflin von Casio reagiert laut Hersteller auf Berührung, Stimme und Licht, zeigt Emotionen wie Freude oder Unruhe und bildet über vier Millionen mögliche emotionale Profile eine individuelle Persönlichkeit aus. Im Gegensatz zu echten Haustieren verursacht es weder Allergien noch Pflegeaufwand. Casio betont, die eingesetzte KI vollständig selbst entwickelt zu haben, ohne öffentlich verfügbare Sprachmodelle. Das Moflin soll ab Oktober 2026 erhältlich sein.
Passend dazu: KI, Robotik und Prävention: Innovationen aus der AVENEO-Sonderschau 2026
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren