Biografiearbeit
VR-Brillen im Betreuungsalltag: Schumm Pflege testet neue Wege
Die Schumm Pflege gGmbH in Murrhardt erprobt als Vorreiter im Rems-Murr-Kreis den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen. Die Technologie soll Erinnerungen wecken, neue Eindrücke vermitteln und den Austausch fördern.
Mehr als passiver Medienkonsum
„Als ich das erste Mal von Virtual-Reality-Brillen in der Pflege erzählt habe – also Brillen, mit denen man virtuell in eine andere Welt eintauchen kann – bekam ich die Reaktion: ‚Das ist doch wie ein Kleinkind vor den Fernseher zu setzen'“, berichtet Alexandra Zieffle, Heimleitung und Geschäftsleitung der Schumm Pflege gGmbH. Doch dieser Vergleich greife zu kurz. Während Fernsehen passiv mache, aktiviere Virtual Reality die Nutzer:innen. Sie sind mittendrin, erleben und entdecken. Für die Pflege und Betreuung bedeutet dies: Erinnerungen aufleben lassen, neue Eindrücke sammeln und gemeinsam ins Gespräch kommen.
Wissenschaftlich fundierte Anwendung
Die Wirksamkeit von Virtual Reality ist wissenschaftlich belegt. Der Softwarehersteller Magic Horizon arbeitet auf Basis von Studien der Stanford University, die die aktivierende Wirkung von VR nachgewiesen haben. In der Praxis zeigt sich: Wenn Senior:innen virtuell an den Strand von Rügen „reisen“ oder durch die Alpen wandern, werden Erinnerungen geweckt. Die Bewohner:innen erzählen plötzlich von früheren Urlauben und besonderen Momenten und teilen diese Erinnerungen mit anderen. Neben der biografischen Arbeit kommt VR auch gezielt zur Entspannung zum Einsatz. Meditative Naturfilme mit beruhigender Musik und visuellen Reizen helfen, Stress abzubauen und Unruhe zu mindern. Das Pflegepersonal beobachtet eine spürbare Verbesserung der Stimmung und erhöhte Aufmerksamkeit während und nach den VR-Sitzungen.
Professionelle Begleitung und Zukunftsperspektiven
Das Projekt wird von geschultem Fachpersonal begleitet, das die VR-Anwendungen individuell auswählt und an die Bedürfnisse der Nutzer:innen anpasst. Auch ethische Fragen wie der sensible Umgang mit emotionalen Reaktionen oder die Wahrung der Selbstbestimmung sind Teil des Konzepts. „Ich freue mich als Einrichtungsleitung besonders, dass wir bei der Schumm Pflege starten – als erste Einrichtung im Rems-Murr-Kreis“, so Zieffle.
Vier Wochen lang werden die Brillen in Murrhardt erprobt, danach erfolgt eine Auswertung: Bringt VR den erhofften Mehrwert? Lohnt sich die Anschaffung? Die bisherigen Rückmeldungen von Bewohner:innen, Tagesgästen und Mitarbeitenden sind durchweg positiv. Viele erleben die VR-Brille als „Fenster zur Welt“, das neue Impulse bringt. In einer nächsten Phase soll das Projekt wissenschaftlich begleitet und auf weitere Einrichtungen ausgeweitet werden.
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